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Das Ohr am Bürger

Weitramsdorf vor der Wahl eines neuen Gemeindeoberhauptes

Mögen an der Spitze der Gemeinde Weitramsdorf in den letzten zwei Jahrzehnten drei Bürgermeister unterschiedlicher Charaktere mit Amtszeiten von bescheidenen 2 bis höchstens 12 Jahre gestanden haben, an Kandidaten zu einer Neuwahl hat es nie gemangelt.

Nach dem frühzeitigen Ausscheiden des erst im Frühjahr 2020 gewählten Gemeindeoberhauptes Andreas Carl tritt am Sonntag, 26. Juni, ein Trio zur Wahl an, das eines gemeinsam hat: Alle Drei gehören als Mitglieder verschiedener Fraktionen dem Gemeinderat an, haben also in unterschiedlichen Amtszeiten Erfahrungen gesammelt, gelegentlich wohl auch miteinander gestritten.

So manches davon ist durch die Mauerritzen des Rathauses nach draußen gedrungen, dem Ansehen Weitramsdorfs hat es wohl eher geschadet als genutzt. Die Gemeinde, deren Grenzen an die Stadt Coburg heranreicht, braucht wohl endlich eine starke Persönlichkeit in ihrem höchsten Amt, das sie zu vergeben hat.

Einer der drei Bewerber ist Christian Brettschneider, den der CSU-Ortsverband auf den Schild gehoben hat. Noch bei keiner vorangegangenen Kommunalwahl in Weitramsdorf hat die Union mit einem Kandidaten aus ihren Reihen die Wählerinnen und Wähler mehrheitlich für sich gewinnen können. Dazu kommt, dass die CSU auf Kreisebene endlich wieder die Eroberung eines Chefsessels in einem Rathaus vermelden möchte. Verloren hat sie solche zuletzt in Lautertal und in Seßlach (2019). Und in Dörfles-Esbach hatten die Christsozialen erst vor einigen Wochen wieder das Nachsehen.

Christian Brettschneider, Polizei-Oberkommissar, war im Dienst, als ihn wenige Tage nach Andreas Carls Rücktrittangebots ein Anruf des CSU-Ortsverbandsvorsitzenden Henning Kupfer erreichte. Ob er, fragte Kupfer seinen Parteikollegen Brettschneider, sich vorstellen könne, für das Amt des Ersten Bürgermeisters zu kandidieren?

Der Angesprochene erbat Bedenkzeit, sprach zuerst mit seiner Frau darüber, danach mit seinem Dienstvorgesetzten und später mit Freunden und Parteigängern. Wie er das jetzt, etwa vier Wochen später in seinem Haus in Weidach erläutert, vermittelt er den Eindruck, Feuer gefangen zu haben. Brettschneider brennt vor Tatendrang und wirbt mit Freude um Vertrauen, denn er will „Bürgermeister für alle Weitramsdorfer Bürgerinnen und Bürger werden“. Bei vielen von ihnen ist Brettschneider, geboren in Kassel, mit sieben Jahren aber schon mit seinen Eltern nach Weitramsdorf gekommen, wohlbekannt. Dort hat er bis zum Übertritt ins Gymnasium Ernestinum Coburg die Grundschule besucht und schließlich in der Veste-Stadt das Abitur gemacht.

Schaut der unterdessen dreifache Familienvater (zwei Söhne im Alter von 22 und 17 Jahren, ein Töchterchen im zarten Alter von einem Jahr) zurück, dann fällt auf, dass Brettschneider schon in jungen Jahren den Kontakt zu anderen Menschen suchte, das Leben in der Gemeinschaft mochte. Unterdessen als Koordinator der Polizeieinsatztrainer tätig, fand er früh den Weg zur Feuerwehr ebenso wie zu Sportvereinen, vertrat als Fußballer die Farben des SV Tambach und des SV Weidach. Beim TSV Weitramsdorf spielte Brettschneider, dem das Vereinsleben viel bedeutet, längere Zeit Tennis. Dass er auch über eine Portion Humor verfügt, unterstreicht seine Tätigkeit als Sitzungspräsident des Karnevalsvereins Weidach.

Mag vor allem der Sport noch so sehr Christian Brettschneiders leidenschaftliches Hobby gewesen sein, mit zunehmendem Alter beobachtete er das politische Geschehen, insbesondere das auf gemeindlicher Ebene. „Was geschieht im Dorf?“ hat er sich oft die Frage gestellt und nach Antworten gesucht.

Der CSU gehört Christian Brettschneider, der 2006 seinen Wohnsitz von Weitramsdorf in dessen Gemeindeteil Weidach verlegte, seit 2010 an. Bei der Kommunalwahl 2014 reichte es für ihn noch zu keinem Mandat, wohl aber sechs Jahre darauf. Dass dann dem Neuling im Gemeinderat sogleich der Vorsitz im Rechnungsprüfungsausschuss anvertraut wurde, gilt wohl als Bestätigung für Kompetenz und Vertrauen.

Nun also setzt Christian Brettschneider zum Sprung an die Spitze der Gemeinde Weitramsdorf an. Bei seiner Nominierung, zu der auch die CSU-Repräsentanten MdL Martin Mittag und Landrat Sebastian Straubel gekommen waren, umriss der Bürgermeisterkandidat seine Ziele. Dies führt er unterdessen bei Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern „über den Gartenzaun“ fort oder wie er es bei einer Dämmerungswanderung mit Anhängern, bei einem Weißwurst-Frühschoppen und einem Familiennachmittag getan hat.

Unionsleute Seit’ an Seit’: MdL Martin Mittag mit Bürgermeisterkandidat Christian Brettschneider bei der Fahrzeugübergabe an die Feuerwehr Neundorf. Foto A. Corn

Als Bürgermeister möchte C. B. noch mehr als schon jetzt in der Rolle des Gemeinderates wissen, „wo den Bürger der Schuh drückt“. Brettschneider möchte Bürgertreffs einrichten. Bei wichtigen Entscheidungen, ob es um einen Kindergarten geht, um Jugendarbeit oder um mehr Mobilität für Senioren – Brettschneider „möchte die Menschen mitnehmen“.

Es gibt viel zu tun in Weitramsdorf, das weiß der CSU-Politiker. An Problemen mangelt es nicht, es gilt anzupacken und zuzupacken. Also „die positive Entwicklung der Großgemeinde fortzuführen“, heißt es in einem Flyer zur Bürgermeisterwahl aus Brettschneiders Feder.

Horst Mitzel

Die Namen der drei Bürgermeisterkandidaten

CSU. Christian Brettschneider, Polizeibeamter, Gemeinderatsmitglied, Weidach.
FW-BV: Max Kräußlich, Bauingenieur, Gemeinderatsmitglied, Kreisrat, Weitramsdorf.
ÜPWG: Christian Koch, Lehrer, Gemeinderatsmitglied, Weidach.

Die beiden Letztgenannten standen uns für ein Gespräch nicht zur Verfügung.

Die Dorfgemeinschaft Neundorf (DGN) und die SPD im Gemeinderat Weitramsdorf unterstützen die Kandidatur Christian Brettschneiders.