
Heiteres Beruferaten im Lautertaler Wahlkampf
Beruferaten im Kommunalwahlkampf: Ist ein Tarifbeschäftigter ein (neuer) Beruf? Dies ist nicht auszuschließen, wenn man Aussagen des 58-jährigen Andreas Oppel zur Gemeinderatswahl am Sonntag, 8. März, in Lautertal Glauben schenken soll. Die Frage nach seinem Beruf beantwortet er nämlich mit „Tarifbeschäftigter“.
Mit 15 anderen Frauen und Männern kandidiert Andreas Oppel auf der Liste „Parteilose Wählergemeinschaft“ (PWG). Fast ausnahmslos bis auf einen haben alle Kandidaten ihren Wohnsitz in Neukirchen; der 16. Bewerber hat seinen zwar in Unterlauter, stammt aber aus dem kleinen Dorf im oberen Lautertal, also aus Neukirchen.
Für das Gemeinderatsmitglied (seit 2018) und jetzigen PWG-Spitzenkandidaten Wolfgang Zapf war es nach eigenen Angaben kein Problem, ausreichend Interessenten für die Kommunalwahl zu gewinnen. Sie alle – im Alter zwischen 28 und 71 Jahren – repräsentieren eine breite Palette verschiedener Berufe, so zum Beispiel gibt es unter ihnen Mechaniker, Therapeuten, Hausmeister, kaufmännische Angestellte und Polizeibeamte. Mit drei Rentnern ist die Gruppe komplett.
Seit der Flyer mit ihren Konterfeis durch die Kandidaten in.die Haushalte gebracht wurde, rätselt da und dort manche Wählerin oder mancher Wähler, welches Berufsbild es über einen „Tarifbeschäftigten“ gibt.
Die ältere Generation wird sich noch an das legendäre heitere Beruferaten mit Robert Lembke und seinem Rateteam (Marianne Koch, Hans Sachs, Guido Baumann, Annette von Aretin und andere) zwischen 1955 und 1989 im Bayerischen Fernsehen (377 Folgen) erinnern. Wäre der „Tarifbeschäftigte“ für die Runde interessant gewesen?
Nein. Im Jahre 2026 erklärt uns nämlich Google, dass „Tarifbeschäftigter“ kein spezifischer Beruf ist, sondern eine Beschäftigungsart oder ein Status im Arbeitsrecht, überwiegend im öffentlichen Dienst.
In einer Kleinstadt am Rande des Coburger Landes wurde einmal eine Frau gefragt, welchen Beruf ihr Mann ausübe. Da sie nicht sagen wollte, dass er Maurer sei, gab sie zur Auskunft „Maurör“. Sie löste damit eine Heiterkeit aus, die jahrzehntelang anhielt.
Ob sich der „Tarifbeschäftigte“ mit seinem selbstgeschaffenen Alleinstellungsmerkmal den Weg in den Gemeinderat Lautertal ebnete oder ob seine Wortwahl sich noch als unklug erweist, wird das Wahlergebnis am zweiten März-Sonntag zeigen.
Wer zückt den Rotstift und stößt Reformen an?
Dass der Wahltag näher rückt, ist allseits spürbar. Viele Kandidaten wirken zunehmend nervöser, manchmal auch gereizter. Zugleich sehnt das Wahlvolk den Tag der Entscheidung herbei. Nicht wenigen Menschen geht nämlich die wochenlange Werbung um Wählerstimmen immer mehr „auf den Keks“. Seit mehr als einem Monat lauern jeden Samstag – manchmal da und dort auch an anderen (Markt)Tagen – hinter den Werbeständen der Parteien und Wählergruppen deren Helfer auf Passanten, um ihnen ein, zwei oder gar ein halbes Dutzend Wahlprospekte in die Hand drücken zu können. Und dann werden Selfies gemacht. Mal grinst der Landrat mit einem Ortspolitiker um die Wette, mal schaut der OB längst nicht mehr so schüchtern in die Kamera wie noch vor nicht allzu langer Zeit. Und immer mehr werden Olga und Patricia herzlich gedrückt. Dies könnte ja Stimmen bringen.
Die Plakatflut bleibt keinem verborgen. Gefühlt ist sie – zumindest in der Vestestadt – bedeutend augenfälliger als bei früheren Wahlen. Wie gut müssen die Kassen bei CSU, SPD, Freien Wählern und den anderen Parteien oder Wählergruppen gefüllt sein, dass dieser hohe finanzielle Aufwand betrieben werden kann? Die Betreffenden scheinen sich mit ihren Konterfeis an Laternenmasten überbieten zu wollen.
Hier volle Kassen und dort Klagen über klamme Kassen in den Kommunen. Natürlich können beide nicht miteinander verglichen werden. Aber bei dieser Gelegenheit darf einmal mehr die Frage an die verantwortlichen Politiker gestellt werden, wann sie bei sich selbst zu sparen beginnen wollen, nachdem sie in jüngster Vergangenheit Leistungen für Otto Normalverbraucher gekürzt haben.
Mehrere hundert Frauen und Männer stehen auf dem Stimmzettel zur Kreistagswahl. Es ist kein „Zettel“, es ist ein großer, tischtuchartiger Papierbogen. Sind die Wahlkabinen groß genug, um in ihnen den Bogen ausbreiten zu können? Braucht der Landkreis Coburg noch 60 ehrenamtliche Kreisräte, die auch Geld kosten? Ist diese Zahl unter Berücksichtigung schwankender und zum Teil sinkender Einwohnerzahlen noch gerechtfertigt? Das Coburger Land zählte schon einmal bedeutend mehr Menschen zwischen Itzgrund und Bad Rodach, Oberelldorf und Gestungshausen, Weidhausen und Neustadt. Ähnliches gilt für die Stadt Coburg mit ihren rund 42 ooo Einwohnern und 40 Stadträten.
Es wäre Aufgabe des Bayerischen Landtages, das Bayerische Wahlgesetz den heutigen Anforderungen anzupassen. Die Gremien auf Orts- und Kreisebene gehören personell reduziert, ebenso wie der Bayerische Landtag. Doch welche Partei oder Wählergruppe im Freistaat ergreift hierzu die Initiative? Letzten Endes geht es an das eigene Portmonee der Abgeordneten. Denn die Forderung für Reformen ist lang. Und es muss ein dicker Rotstift sein, um mit ihm all die Positionen zu erfassen, die gestrichen werden können.
Muss dem Coburger Landrat auch in der neuen Legislaturperiode eine steuerfreie Dienstaufwandsentschädigung in Höhe von 1.270,18 Euro zu seiner regulären Besoldung gewährt werden? Das ist der Höchstsatz für Landräte in Bayern! Der Coburger OB bekommt etwas weniger – er verzichtet freiwillig auf 10 Prozent der ihm zustehenden Mittel. 1.000 Euro pro Monat weniger für den Landrat bedeuten über 70.000 Euro bis 2032, dem Ende der nun beginnenden Amtszeit. Das wäre Geld für Kindergärten, Altenpflege, Feuerwehr, Jugendorganisationen und andere Institutionen. Gerne werden weitere Vorschläge unterbreitet.
Mit dem Thema „Geld“ muss sich der neue Kreistag schon bald beschäftigen. Wie auch der Stadtrat in Coburg oder die entsprechenden Gremien in kleineren Städten und Gemeinden. Die Vorgespräche unter den zukünftigen Fraktionen beginnen wohl unmittelbar nach dem Wahlentscheid am 8. März oder nach den Stichwahlen, die zwei Wochen später in einigen Kommunen erwartet werden.
Egal wo, Sparkomissare sind gefragt! Und wer bisher noch nicht die Briefwahl genutzt het, sollte sich bei der Vergabe seiner Stimmen bewusst sein, dass er jetzt noch über die Ausgaben des zukünftigen Landrates, Oberbürgermeisters, Gemeinde- und Stadtrates sowie Kreistages mitentscheiden kann.
Die neue Amtszeit beginnt für alle am „Tag der Arbeit“, dem 1. Mai. Die meisten haben an diesem Tag jedoch frei.