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Auf dem Hendrik Dressel-Weg zum Ummerstädter Kreuz

Nach dem früheren Kommunalpolitiker wurde ein Stück des Zweiländerwegs benannt

Politik auf Wanderwegen?! Hendrik Dressel (rechts) an der Seite von Landrat Sebastian Straubel. Gefolgt von Stellvertreter Martin Stingl und weiteren Weggefährten. Foto B. Knauth
Politik auf Wanderwegen?! Hendrik Dressel (rechts) an der Seite von Landrat Sebastian Straubel. Gefolgt von Stellvertreter Martin Stingl und weiteren Weggefährten. Foto B. Knauth

Wie einen verdienten Kommunalpolitiker ehren, der schon fast sämtliche passenden Auszeichnungen erhalten hat? Vor diesem Problem stand der Coburger Kreistag. Nach dem passionierten Wanderer Hendrik Dressel wurde nun ein Stück Wanderweg benannt. „Als Kommunalpolitiker ist er viele Wege gegangen“, würdigte ihn Landrat Sebastian Straubel in einer Feierstunde am Wegesrand. „Hendrik Dressel gilt als herausragender Kommunalpolitiker, der sich jahrzehntelang für die Fortentwicklung des Coburger Landes und seiner Menschen eingesetzt hat“, fasste Straubel die Verdienste zusammen.

Ausgesucht hatte sich Dressel den zwei Kilometer langen Wegabschnitt oberhalb seines Heimatdorfes Gemünda, am Zweiländerweg, der Bayern und Thüringen verbindet. „Mit diesem Stück Zweiländerweg identifiziere ich mich am meisten“, sagte Hendrik Dressel. In der Mitte liegt das Ummerstädter Kreuz, das für den früheren Seßlacher Bürgermeister für „Sternstunden“ seines politischen wie seines privaten Lebens steht. Die Stelle symbolisiert für Dressel die Teilung ebenso wie deren Überwindung: „Ich bin gut einen Kilometer westlich vom „Eisernen Vorhang“ entfernt aufgewachsen und durfte erst im Alter von 36 Jahren die zweite Hälfte meiner Heimat kennenlernen“, erläuterte der 69-Jährige. Als das Kreuz 1963 eingeweiht wurde, war Dressel als junger Bub zugegen. Die weiße Farbe auf der Vorderseite wurde aufgetragen, damit das Mahnmal von Ummerstadt aus zu sehen war, erläutert er.

Hendrik Dressel erinnerte auch an die Aktion „Ungeziefer“ 1952, der ersten Deportation unliebsamer Bewohner am Grenzstreifen, nur sieben Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Wer von den Ausgesiedelten in den Westen flüchten konnte, versammelte sich später hier jedes Jahr zur Erinnerung an die verlorene Heimat. Noch heute kommen hier die Menschen zum jährlichen Gottesdienst am „Tag der Deutschen Einheit“ (3. Oktober) zusammen Dabei spüre er deutlich, „dass es den Leuten ernst ist mit der deutsch-deutschen Geschichte“, so Dressel. Die Erinnerung daran müsse aufrechterhalten werden. Das Kreuz ist für ihn „Symbol der Teilung, der Tragik und der Trauer“. Und ein „Zeichen der Mahnung, das so etwas nicht mehr geschieht und wir uns der Geschichte bewusstwerden“.

Ob in den 30 Jahren als Erster Bürgermeister der Stadt Seßlach wie als Kreisrat von 1984 bis 2014, ob als weiterer Stellvertreter des Landrats von 2002 bis 2014, als Mitglied in diversen Kreisausschüssen, als Aufsichtsrat der Coburg Stadt und Land aktiv GmbH oder als Initiator und Mitbegründer der grenzüberschreitenden interkommunalen Initiative Rodachtal: „Hendrik Dressel hat immer Wege gefunden und ist sie mit all ihren Höhen und Tiefen gegangen“, sagte der Landrat.

Als Beispiele nannte Sebastian Straubel die Einrichtung des ersten Bauernmarktes im Landkreis, „und damit der Einstieg in die Direktvermarktung, die Gründung des Vereins „Arbeitskreis Tourismus“ zur Förderung des Fremdenverkehrs, die Einrichtung des Naturschutzzentrums im Hattersdorfer Turm, die Ausweisung der Muggenbacher Tongruben zum Naturschutzgebiet von landesweiter Bedeutung, die Schaffung des ersten Agenda-21-Beirats im Landkreis, die Gründung der Fernwärme Seßlach GmbH und die Versorgung weiter Teile der Kerngemeinde unter Einsatz von Hackschnitzeln. Auch Veranstaltungen wie das Seßlacher Altstadtfest und Initiativen wie den Verein „Veste Heldburg“ habe Dressel initiiert. Die Menschen der Region habe er bei all seinem Engagement stets im Blick gehabt. „Wenn man mal nicht weiß, welchen Weg man einschlagen soll, vielleicht hilft dann ja ein Spaziergang auf dem Hendrik-Dressel-Weg“, meinte der Landrat.

Zur Einweihung des Weges hatten viele Wegbegleiter des langjährigen Kommunalpolitikers ihre Wanderschuhe geschnürt. „Allein drei Landräte und mehrere Bürgermeister: So viele Vertreter aus der Politik haben sich ja noch nie am Ummerstädter Kreuz versammelt“, meinte Dressel, sichtbar gerührt von der erfahrenen Wertschätzung. Seine Frau Renate habe mit Blick auf die Gästeliste gescherzt: „Haben die am Freitag alle nichts Besseres zu tun?“ Viele Wegbegleiter aus 42 Jahren habe er einfach gern mal wiedersehen wollen.

Vom Ummerstädter Kreuz ging es dann aber nicht auf dem kurzen, nach ihm benannten Wanderweg weiter, sondern zunächst auf dem parallel verlaufenden Kolonnenweg. Auf dem U3 wurde zunächst das Geotop Rapsgraben erreicht, dann die darunter gelegene Rappersquelle auf Ummerstädter Seite. Auf dem beschilderten Wanderweg durch das Grüne Band gelangte die Gruppe dann zur Kapelle an der Heiligenleite. Der Rückweg führte über den Zweiländerweg zum Ausgangspunkt.  Bettina Knauth

Wörtlich

„Hättest Du noch ein paar Jahre drangehängt, hätten wir ein Stück Autobahn nach Dir benannt.“
Neustadts Bürgermeister Frank Rebhan (SPD)