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Coburg: Erster Kreisheimattag macht Lust auf mehr

Neue Hausaufgaben für Städte und Gemeinden

Sie gehen bei der Heimatpflege voran: die beiden Coburger Kreisheimatpfleger, Peter Jacobi (rechts) und Ingrid Ott, sowie Bezirksheimatpfleger Professor Dr. Günter Dippold.

Eine gelungene Premiere hat der Kreisheimattag im Landkreis Coburg gefeiert. Fast 50 Akteure aus dem breiten Feld der Volks- und Heimatkunde trafen sich im Gerätemuseum „Alte Schäferei“ des Coburger Landes in Ahorn, um gemeinsame Perspektiven für ihre künftige Arbeit zu finden. Als zentrale Anliegen gingen aus dem Meinungsaustausch die Wünsche nach besserer Vernetzung sowie einem erweiterten Angebot an öffentlichen Veranstaltungen hervor. Dazu kam die Überzeugung: Der erste wird nicht der letzte Kreisheimattag gewesen sein.

Getragen wird die Heimatpflege im Coburger Land ausschließlich von Ehrenamtlichen. Dieses Engagement war Landrat Sebastian Straubel wichtig, weil das Coburger Land eine Heimat sei, in der es sich gut leben lasse. „Damit das so bleibt, braucht es Menschen, denen die Zukunft, aber auch die Vergangenheit ihrer Heimat am Herzen liegt“, sagte der Landrat in seiner Begrüßung.

Die Definition des schwer fassbaren Begriffes der Heimat beleuchtete Bezirksheimatpfleger Professor Dr. Günter Dippold. Natürlich, sagte Dr. Dippold, brauche der Begriff der Heimat eine gewisse Innovation. Aber deshalb sei der Blick zurück kein Tabu: „Wir wissen, wer wir sind nur durch den Blick zurück.“ Um die Heimat lebenswert zu erhalten, sah der Bezirksheimatpfleger die Bürgerinnen und Bürger vor Ort in der Pflicht. Denn man könne nicht ständig von den Werten und der Bedeutung der Heimat reden, aber sich selbst nicht für diese engagieren. Dr. Dippold: „Eigensucht und Eigensinn sind das Gegenteil von Heimat.“ Zur Pflege der Heimat gehört für den Bezirksheimatpfleger zudem ein respektvoller Umgang mit der lokalen Baukultur – also nicht das Toskana-Haus im Neubaugebiet auf der grünen Wiese, während in den Ortsmitten alte Gebäude verfallen.

Ideen, wie die Heimatpflege verstärkt in den Blick der Öffentlichkeit gerückt werden kann, gab es beim ersten Kreisheimattag zuhauf. Kreisheimatpfleger Peter Jacobi brachte Geschichtswerkstätten „für Stadtschreiber und Gemeindepoeten“ ins Gespräch, seine Kollegin Ingrid Ott wünschte sich mehr Platz für heimatkundliche Aktivitäten in den Lehrplänen der Schulen. Eine Sache ist Peter Jacobi bei der bayernweiten Aktion der „musikantenfreundlichen Wirtshäuser“ aufgefallen: Da gab es viele Auszeichnungen für Gaststätten im Süden Bayerns, aber in den drei fränkischen Regierungsbezirken jeweils nur eine. Damit das anders wird, brachte Jacobi eine Veranstaltungsreihe für Wirtshaussingen ins Gespräch.

Das „Duo zu dritt“ aus Neustadt umrahmte den ersten Coburger Kreisheimattag musikalisch. Von links: Robert Matthes, Reiner Hein und Günter Lorenz.

In der regen Diskussion meldete sich auch Wilfried Steinert zu Wort. Der Gemündaer ist als Mitglied der „Gschrubbdn“ musikalisch in ganz Oberfranken unterwegs und bezeichnete es als sehr wichtig, die Neubürger in den Siedlungsgebieten besser ins dörfliche Leben zu integrieren. Einfach werde dies nicht, räumte Steinert ein: „Viele Menschen arbeiten in der Stadt und ziehen aufs Land, weil sie ihre Ruhe haben wollen.“ Gesellige Wirtshaussingen wären für Winfried Steinert ein gutes Angebot – wenn es nicht auch da ein Problem gebe: „Es gibt immer weniger Wirtshäuser und damit auch immer weniger Treffpunkte.“

Martin Stingl, stellvertretender Landrat und (Wirtshaus-)Musiker aus Leidenschaft, empfand den Kreisheimattag als wichtigen Impuls, um die all das zu sammeln und zu sortieren, was die Heimatpflege im Coburger Land ausmacht. Mundart-Dichter, Musiker, Laiendarsteller – man müsse die verschiedenen Gruppierungen besser vernetzen und den Austausch miteinander ermöglichen. Das bringe die gesamte Region voran, zeigte sich Martin Stingl überzeugt: „Wenn man weiß, was bei den anderen Gruppen passiert, wächst das gegenseitige Interesse.“

Die drei Coburger Kreisheimatpfleger

Ingrid Ott aus Rödental engagiert sich seit vielen Jahren im Heimatverein Mönchröden. Zuständigkeit: Brauchtum und Traditionen. Kontakt: mail@ingrid-ott.de

Peter Jacobi aus Dörfles-Esbach war fast zweieinhalb Jahrzehnte Vorsitzender des Fränkischen Sängerbundes. Zuständigkeit: Musik und Sprache. Kontakt: peter@jacobi.to

Reiner Wessels aus Großheirath ist über den Landkreis Coburg hinaus als Fachmann in Sachen Baukultur bekannt. Zuständigkeit: Bau und Denkmalpflege. Kontakt: Reiner.wessels@gmx.de