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Erfolg mit oder ohne Parteibuch

Bürgermeisterwahlkampf in Sonneberg geht in die letzte Runde

Seit 27 Jahren hat Dr. Heiko Voigt seinen Arbeitsplatz im Sonneberger Rathaus. Die letzten sechs davon im Chefsessel, seit er 2016 zum Nachfolger der wenige Wochen zuvor plötzlich verstorbenen Bürgermeisterin Sibylle Abel gewählt wurde. Am Sonntag, 12. Juni, stellt sich der 61-jährige zur Wiederwahl, die ihm drei Gegenkandidaten streitig machen wollen.

Vor allem will eine Partei Dr. Voigts Einlauf ins Ziel verhindern, die ihn vor sechs Jahren selbst ins Rennen um das Amt geschickt hat: die CDU. Damals trug sie ihm die Kandidatur an und geriet durch seine Bereitschaft nicht in die anfangs befürchtete Verlegenheit, mit leeren Händen vor dem Wahlvolk erscheinen zu müssen. So ändern sich die Zeiten.

War die CDU mit Dr. Voigts Arbeit nicht zufrieden? Spürt sie übermäßigen Unwillen über ihn in der Bürgerschaft, die an einer Wiederwahl Zweifel aufkommen lassen? Nichts von dem! Es ist ein ganz anderer Grund, warum sich die Wege der beiden langjährigen Partner getrennt haben, warum sie zu Gegnern wurden: Dr. Voigt lehnte es ab, Mitglied der CDU zu werden. Parteilos war er, parteilos will er bleiben. Das ist sein gutes Recht. So ist das in einer Demokratie.

Es ist aber auch das gute Recht der CDU Sonneberg, einen Kandidaten aus ihren Reihen mit Parteibuch dem Wahlvolk als zukünftigen Bürgermeister zu empfehlen. Dafür hat sich die Union, begleitet von etlichen parteiinternen Auseinandersetzungen, letzten Endes entschieden. Sie nominierte die 55-jährige Grundschullehrerin und Schulleiterin Uta Bätz für den Wechsel ins Rathaus. Mit ihr fordern auch Thomas Heine (Jahrgang 1970, Die Linke) und die Einzelkandidatin Regina Müller (Jahrgang 1962), den amtierenden Bürgermeister heraus. Dr. Voigt erscheint auf dem Stimmzettel für die 19.500 Wahlberechtigten (ab 16 Jahre!) ebenfalls als Einzelkandidat. Bei der Wahl 2016 trat Dr. Voigt – damals in der Position als Stadtbaudirektor und Erster Beigeordneter – gegen fünf Mitbewerber an und erreichte bereits im ersten Wahlgang 67 Prozent der abgegebenen Stimmen. Sollte am zweiten Juni-Sonntag keiner der vier Kandidaten die absolute Mehrheit erzielen, findet am Sonntag, 26. Juni, eine Stichwahl zwischen den beiden Erstplatzierten statt.

Wie sehr die CDU die Bürgermeisterwahl mit dem Wunsch verbindet, in der Öffentlichkeit wieder mehr wahrgenommen zu werden, verdeutlicht ihre Arbeit in diesen Wochen. Für Mittwoch, 8. Juni, kündigt sie den Besuch des CDU-Bundesvorsitzenden Friedrich Merz in der Spielzeugstadt an.

Friedrich Merz als Wahlhelfer? Wahlkampfstrategen ziehen bei dieser Frage die Augenbrauen hoch. Prominente mögen in den Wochen vor der Wahl mit ihrem Erscheinen und damit verbundenen Reden sicherlich Interesse wecken und zu Veranstaltungen locken, doch ein günstigeres Wahlergebnis ist damit nicht unbedingt verbunden. Denn: Bürgermeisterwahl heißt auch Persönlichkeitswahl. Es darf unterstellt werden, dass Dr. Voigt und alle anderen Kandidaten die Anstrengungen der CDU um eine Veränderung an der Spitze der Stadt mit wachem Interesse verfolgen. Ist das alles?

Dr. Voigt jedenfalls bleibt sich treu. Gewiss, er führt Gespräche und wirbt um Vertrauen, aber Schulterklopfen liegt ihm ebenso nicht wie das Bad in der Menge. „Sonneberg in guten Händen“, lautet sein Wahlslogan. Auf einem vierseitigen Flyer zieht er Bilanz seiner sechsjährigen Amtszeit. Die Liste reicht von „Schandflecke weichen, Neues entsteht“ über „Mammutaufgabe Straßen und Brücken“ bis „Neues Institut für angewandte Wasserstoffforschung“. Letzterem ist hinzugefügt, dass Sonneberg „zum Zentrum der Wasserstoffforschung in Thüringen mit wichtigen Impulsen für die Region wird“. Noch in diesem Jahr soll das Institutgebäude für 45 Mitarbeiter auf der Brachfläche des ehemaligen Güterbahnhofes vollendet werden.

In der Liste fehlen natürlich auch nicht Hinweise auf Bemühungen, die zu einer Belebung der Innenstadt führen sowie auf Anstrengungen, wie das Angebot für eine attraktive, also lebenswerte Stadt weiter verbessert werden sollen.

Nicht allen drei Gegenkandidaten fällt es leicht, Schwachpunkte in Dr. Voigts Leistungsbilanz zu erkennen und ihm anzukreiden. Am ehesten würde dies wohl nach der Union mit ihrer Kandidatin Uta Bätz gelingen, zumal sie auch Vorsitzende der CDU-Fraktion im Stadtrat ist. Doch sie und ihre Weggefährten müssen sich gegenüber den Wählerinnen und Wählern immer wieder dafür verantworten, dass die Partei in diesen Wochen vor allem zerschlagenes Porzellan hinterlassen hat.

Dies eben sowohl auf Orts- wie auf Kreisebene. Austritte aus Partei und/oder Fraktionen haben Wunden hinterlassen. Danny Dobmeier, vor vier Jahren Landratskandidat der CDU, gehört zu den „Ehemaligen“. Stadtrat und Kreistag verließ er im Groll.

Jetzt hat Beate Meißner den CDU-Kreisvorsitz übernommen. Sie gehört seit 2006 dem Thüringer Landtag an. Damals war sie für die zur Landrätin des Landkreises Sonneberg gewählte Christine Zitzmann in das Parlament nachgerückt. Sie ist ihren Weg gegangen. Seit einiger Zeit ist die Wahl-Sonnebergerin auch stellvertretende Vorsitzende des CDU-Landesverbandes Thüringen. Auf ihrer Erfolgsleiter ist sie oben noch nicht angekommen. Die Frage „Rathaus Sonneberg“ oder ein Ministerium in der Landeshauptstadt stellt sich aktuell nicht. Die nächsten Landtagswahlen sind 2024.

Seit der letzten Bundestagswahl ist Sonneberg ohne Mandat. Um den Kontakt nach Berlin nicht zu verlieren, hat der CDU-Kreisverband deshalb die Bundestagsabgeordneten Dr. Jonas Geissler (Coburg-Kronach) und Emmi Zeulner (Lichtenfels-Kulmbach) um partnerschaftliche Nachbarschaftshilfe gebeten.

Horst Mitzel