Ferienparadies für 60 Millionen Euro in Bad Colberg 

Thüringens Terrassen Therme soll im Herbst ’26 wieder öffnen

Brechen für Bad Colberg an der thüringisch-bayerischen Landesgrenze wieder bessere Zeiten an? Wird das 123 Einwohner zählende Dörfchen zu einem Ferienparadies, das nicht nur das Heldburger Unterland aufwertet, sondern die gesamte Region zwischen Rennsteig und Main?

Ein Anziehungspunkt für 100.000 Hotelgäste und für eine ebenso hohe Zahl an Besucherinnen und Besucher der Thüringer Terrassen Therme soll unter dem neuen Namen „Bad Colberg Resort“ innerhalb von drei Jahren werden. Hinter diesen ehrgeizigen Plänen stehen die Inter SPA-Gruppe (Wonnemar-Freizeitbäder) mit Sitz in Stuttgart und die Michel Hotel- Gruppe, die mehrere Hotels in Deutschland betreibt. Sie sind die neuen Eigentümer der früheren Kurklinik mit 260 Betten und der Therme auf dem elf Hektar großen Areal. Weil diese Flächen aber zur Realisierung ihres Großprojektes mit mehreren Hotels, Gastronomie- und Freizeitanlagen nicht ausreichen, sollen weitere angrenzende Grundstücke noch erworben werden.

Konkret geht es den Investoren um jene nördlich der ehemaligen Klinik, die aktuell der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) in Erfurt gehören. Auf eine Anfrage der Interessenten signalisierte die LEG Verkaufsbereitschaft, und half indirekt mit, den Weg zum Eigentümerwechsel zu ebnen. Sie tat noch mehr: Die LEG fragte im Rathaus in Heldburg an, ob dort bekannt sei, dass es Interesse am Erwerb ihres Grund und Bodens in Bad Colberg gäbe. Bei Bürgermeister Christopher Other hörte sich das wie eine „Weihnachtsbotschaft“ an.

Lageplan für das Ferienparadies Bad Coblberg. Foto: MundelArchitekten

So streute das Stadtoberhaupt beim Neujahrsempfang am Dreikönigstag vorsichtigen Optimismus aus. Er habe die Hoffnung, sagte Other, „dass 2026 in Bad Colberg ein Durchbruch kommt“.

Diese vorsichtige Umschreibung konnte der Bürgermeister wagen, nachdem die Repräsentanten der neuen Eigentümer für Montag, 12. Januar, im Landratsamt Hildburghausen um einen Gesprächstermin gebeten hatten. Vier Tage später ergänzte Landrat Sven Gregor die „frohe Botschaft“ des Heldburger Bürgermeisters in einem Interview der Lokalzeitung mit den Worten: „Wir sind voller Hoffnung, dass 2026 ein gutes Jahr für Bad Colberg wird.“

Die Öffentlichkeit wurde am 20. Januar mit einer Pressemitteilung unterrichtet. Sie weckte vor allem in Bad Colberg großes Interesse.

Ortsteilbürgermeister Robin Fleck ließ am 21. Januar zu einer Informationsveranstaltung über die Zukunft des kleinen Ortes 50 Stühle im Gemeindezentrum aufstellen, die schließlich auch benötigt wurden. Christopher Other und Robin Fleck nahmen an der Stirnseite des Raumes Platz, wie später auch drei leger gekleidete Herren, die in den folgenden knapp zwei Stunden viele interessante Details zu ihrem Vorhaben kundtaten.

Den Anfang machte Ido Nachum Michel. Es sei ihm und seinen Mitstreitern bewusst, dass es nicht leicht sei, eine Klinik in ein Hotel zu transferieren, weil es in den Köpfen der Menschen noch immer eine Klinik sei. Aber, so Michel, wir sind eine Firma, die Herausforderungen mag. Und er fügte hinzu: „Wir werden es meistern.“

Dann präsentierte in betont lockerer Art Projektentwickler Rupert Atzberger das Vorhaben. Aber erst, als er über sich selbst einiges erzählt hatte.Der Mann aus Regensburg sagte, dass er ursprünglich Koch gewesen sei, später als Konditor gearbeitet hat.  Seine Freizeit habe er teilweise auf Kegelbahnen verbracht, also als Kegler – mit Bundesligareife.

Das Interesse an einem Engagement in Bad Colberg sei bei ihm und seinen Partnern vor etwas mehr als einem Jahr geweckt worden, berichtete Atzberger. Mit den zur Verfügung stehenden Architekten seien Pläne entworfen worden. Auch in den Monaten, als zwischen den Verhandlungspartnern „Funkstille“ geherrscht habe. Im Oktober wurden die Verkaufsgespräche wieder aufgenommen, die schließlich mit der notariellen Beurkundung des Kaufvertrages am 23. Dezember 2025 endeten. Nun war der Zeitpunkt gekommen, mit der Politik, also mit Landrat und Bürgermeister ins Gespräch zu kommen.

Und das soll nun bis 2029/30 in Bad Colberg geschaffen werden: Wiedereröffnung der Therme nach diversen Instandsetzungsmaßnahmen im Herbst des laufenden Jahres. Zeitgleich sollen ein bis zwei Hotelblöcke für die Aufnahme von Gästen bereitstehen.

Insgesamt sind vier unterschiedliche Hotels geplant: ein 4-Sterne-Tagungshotel und ein Thermenhotel, das für Wellness und Ruhe ausgerichtet ist – ohne Kinder. Dazu ein Familienhotel mit einem Kinderland und ein Vitalhotel. Letzteres im 3-Sterne-Bereich. Zwei Restaurants, ein Café und ein Bistro sowie ein Fitnessstudio sollen das Angebot ergänzen. Zugang sollen alle haben, nicht nur Hotelgäste.

Für „Tagungen im Grünen“ soll ein Tagungszentrum entstehen. Atzberger: „Wir müssen alle Segmente bespielen, damit wir eine stabile Auslastung erreichen.“ Diese läge bei etwa 70 Prozent.

Zu den weiteren Einrichtungen, die viele Gäste anlocken sollen, gehören: Ein Wald-Spa für naturnahe Regeneration mit Yoga und Meditationsplattform. Hier gilt es, Kraft aus der Natur zu schöpfen. Zusätzlich sind weitere Spa-Bereiche mit Wellness für Körper, Geist und Seele, mit Massagen und weiteren Anwendungen geplant. Auch ein Kneippgarten und ein Gradierwerk sind vorgesehen.

Besonders hervorgehoben wurde bei der intensiven Präsentation eine Sauna-Landschaft, die neue Akzente setzen soll. O-Ton Atzberger: „Unsere Vision ist, die größte Sauna-Auswahl Deutschlands zu bauen nicht in der Größe, sondern in der Vielfalt.“ Dazu sollen gehören ein Saunagarten, finnische Blockhütten, ein russisches Banjadorf (Wellness-Komplex im Stil eines rustikalen Dorfes), ein japanischer Sentogarten (Miniaturversion der Natur. Sie bestehen aus Kiesflächen, Steinen und anderem Material), ein Hamam (Badeanstalt in der arabischen Welt, im iranischen Kulturraum, in der Türkei etc.), eine Erdsauna, eine Eventsauna und anderes mehr.

Die noch erforderliche Fläche nördlich der bisherigen Klinik wird für Parkplätze und Stellplätze für Wohnmobile benötigt. „Wohnmobile sollen nicht im Ort platziert werden können“, sagen die Investoren und versetzen sich für einen Moment in die Lage der Dorfbewohner, die das Vorhaben dankbar vermerken. Zusätzlich ist geplant, Chalets zu bauen. Diese kleinen Ferienhäuser und Erdhügelhäuser sollen sowohl vermietet wie verkauft werden.

Nahe der Chalets soll ein See angelegt werden, befüllt mit bereits benutztem Quellwasser. Die Idee hierzu begründet Atzberger „Wir versuchen, einen Kreislauf herzustellen, um wirtschaftlich hinzukommen und das Thermenwasser komplett zu ‚verarbeiten‘. Deshalb werden wir das Wasser mit einer Osmose-Anlage aufbereiten.“

Nachdenklich gehen wohl die meisten Besucherinnen und Besucher nach Hause. Nicht alle können sich den Wandel vom schlichten Dorf zu einem Ferienparadies am Rande des Landkreises Hildburghausen so richtig vorstellen. Aber schön wär’s…

Es ist ein großes, ein gewaltiges Projekt, das über die Grenzen des thüringisch-fränkischen Raumes hinaus Aufmerksamkeit findet. Zu den vielen Fragen, die diskutiert werden, gehört: Erlaubt die Infrastruktur Bad Colbergs die Aufnahme von 200.000 Hotel- und Badegästen im Jahr, wie es das Ziel der Investoren ist?

Bad Colbergs Ortsteilbürgermeister Robin Fleck (links) und Heldburgs Bürgermeister Christopher Other (rechts) mit den Repräsentanten der neuen Investorengruppe in Bad Colberg. Foto: A. Corn.

„Ja“, sagt dazu Heldburgs Bürgermeister Christopher Other. „Wir sind infrastrukturell durchaus in der Lage, die genannte Gästezahl zu stemmen.“ Natürlich sei das nur mit dem neuen Betreiber gemeinsam möglich, denn schließlich müssen die Gäste ädaquat und nach verschiedenen Möglichkeiten untergebracht werden. Schließlich plane der Investor auch selbst einige Anlagen, die zu einer zusätzlichen Verbesserung der Struktur beitragen werden.

„Die Straßen- und Wegenetze sind in Ordnung“, fügt Other hinzu. Schon in früheren Jahren, als Therme und Klinik voll in Betrieb waren, habe es keine Kapazitätsprobleme gegeben. Schließlich freue sich auch der Wasser- und Abwasserverband Hildburghausen auf wiedererstarkte Umsätze in Bad Colberg.

Und wie sind die Reaktionen in der Nachbarschaft? Auffallend zurückhaltend. Vereinzelt fragen kritische Beobachter, auf welche Weise Städte und Gemeinden sowie der Handel im Bereich der Initiative Rodachtal an der Aufwärtsentwicklung Bad Colberg partizipieren könnte,

In der Abendrunde am 21. Januar im Gemeindezentrum Bad Colberg fiel im Zusammenhang mit Therme und Saunalandschaft dreimal der Name „Bad Staffelstein“. Kein einziges Mal wurde der Name „Bad Rodach“ erwähnt, dessen Stadtteil Sülzfeld unmittelbarer Nachbar des thüringischen Dorfes Colberg ist.

Aber der erste Glückwunsch, den Heldburgs Bürgermeister Christopher Other zum „Gewinn“ der neuen Investoren mit ihren eindrucksvollen Plänen erreichte, kam von Bad Rodachs Bürgermeister Tobias Ehrlicher in einem freundschaftlich geführten Telefongespräch.

Horst Mitzel