„Fränkische Leuchte“ in mattem Licht

Unter vielen Burgenliebhabern gilt die Veste Heldburg als“Fränkische Leuchte“. Etwa 405 Meter über dem gleichnamigen Städtchen thront sie auf einem Vulkankegel (Phonolithfelsen). Seit 10 Jahren ist in ihren im 12. oder 13. Jahrhundert errichteten Mauern das Deutsche Burgenmuseum untergebracht, das einzige seiner Art im deutsch-sprachigen Raum.

Zu seiner Eröffnung am 8. September 2016 kamen zahlreiche Gäste – mehr als jetzt zur Jubiläumsfeier genau auf den Tag 10 Jahre später. Beide Male wurden Reden gehalten. 2016 waren diese geprägt von Hoffnung und Zuversicht. Damals wurde das Deutsche Burgenmuseum als möglicher Impulsgeber betrachtet, der den Tourismus in der Region beleben könnte.

Doch im Vergleich zur Eröffnungsfeier wirkte die Jubiläumsveranstaltung nüchtern. Gewiss hat es in dem vergangenen Jahrzehnt nicht am Engagement der Stadt Heldburg gefehlt, auch nicht an der ungebrochenen Unterstützung durch den Freistaat Thüringen und ganz bestimmt nicht am ehrenamtlichen Engagement des Fördervereins. Das Angebot der Veste Heldburg hat schlicht nicht das Interesse der breiten Öffentlichkeit gefunden, das von seinen Verantwortlichen erhofft worden war.

30.000 Besucher sollten es jährlich sein – oftmals sind es nicht einmal die Hälfte gewesen. Zwischen Rennsteig und Main gibt es viele Menschen, die noch nie den Burgberg hinauf gepilgert sind. Und auch zahlreiche Bürgerinnen und Bürger in Heldburg selbst müssen sich sagen lassen, dass sie „ihre“ Veste zwar von unten gerne mit viel Stolz betrachten, den Weg aber in ihr Inneres das ganze Jahr über meiden.

Wohl höchst selten hat ein Museum den Besucherzustrom, den es sich wünscht. Fast jede dieser kulturellen Einrichtung ist ohne Ausnahme auf Förderung aus Politik und Wirtschaft angewiesen. Sehen wir einmal von mal mehr, mal weniger geflossenen Bundes- und Landesmitteln ab, gab es schon Jahre, in denen Spenden aus der Wirtschaft die Veste Heldburg leuchten ließen.

Nach der politischen Wende 1989/90 öffneten sich viele Herzen. Ein führender Hersteller für Babynahrung galt mehrere Jahre als großzügiger Sponsor. Doch der Unternehmer wurde älter, zog sich eines Tages aus dem operativen Geschäft zurück und übergab die Firmenleitung in jüngere Hände. Diese setzte schon bald in ihrem Handeln neue Prioritäten. Die „Fränkische Leuchte“ verlor an Strahlkraft.

Dass das Deutsche Burgenmuseum nach mehrjähriger Planung auf der Veste Heldburg eine Heimat fand, ist nicht zuletzt dem Burgenforscher und langjährigen Direktor des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg, Professor Dr. Ulrich Großman, zu verdanken. Noch immer ist der unterdessen 72-jährige Kunst- und Bauhistoriker öfters in Heldburg und auf der Veste zu sehen. Im Trägerverein Deutsches Burgenmuseum Veste Heldburg teilt er sich mit Bürgermeister Christopher Other die Aufgaben.

Schon kurz nach Dr. Großmanns Wechsel in den Ruhestand „meldete“ sich das Germanische Nationalmuseum „auf der Heldburg“ ab. Mit ihm unterdessen auch eine große Versicherung in der Frankenmetropole.

Zu diesen finanziellen Rückzügen kamen einige unglückliche personelle Entscheidungen hinzu. Unterdessen musste die Museumsleitung seit 2016 zum dritten Mal neu besetzt werden. Mit der 30-jährigen wissenschaftlichen Leiterin Vanessa Schmitt steht das Deutsche Burgenmuseum nun vor einem Neustart. Sie hat zuletzt ein zweijähriges Volontariat auf der Veste absolviert und sich mit Fleiß und Ideen für höhere Aufgaben empfohlen. Es sei ein Privileg, sagte Schmitt, „an einem so schönen Ort zu arbeiten“. Sie erinnerte daran, dass sie bereits ihre erste eigene Ausstellung über die Umbauten der Veste Heldburg unter Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen verantwortete.

In ihrem Blick nach vorn lenkte Vanessa Schmitt ihr Interesse auf eine neue Sonderausstellung über ehemalige Burgenforscher und -forscherinnen.

Neben Vanessa Schmitt wurde auch Björn Chilian mehr Verantwortung übertragen. Er hat die beiden früheren Museumsleiter bereits kommen und gehen gesehen. Jetzt wird ihm die Chance geboten, an einer Wiederbelebung der kulturellen Einrichtung hoch über Heldburg mitzuwirken.

Die „Fränkische Leuchte“ ist zwar Nachbarin der „Fränkischen Krone“, also der Veste Coburg, doch wie steht es um Kontakt und Erfahrungsaustausch zwischen dem dort wirkenden Leitungspersonal? Gibt es über die Zusammenarbeit für die „Regionale Museumsnacht“ hinaus weitere Berührungspunkte?

Bei der Jubiläumsfeier wurde unter den Festgästen Dr. Christoph Unger vom Naturkunde-Museum Coburg gesichtet, dessen Leiter er seit 1. Juli des laufenden Jahres ist. Der Biologe und Ornithologe war seit 2019 als stellvertretender Leiter am Naturkundemuseum Erfurt tätig, zuvor am Landratsamt Hildburghausen. Kann sein Besuch bei der 10-Jahres-Feier als Zeichen für den Beginn einer neuen Partnerschaft gewertet werden?

Auch für die Initiative Rodachtal, dem Verbund von rund einem Dutzend fränkischer und südthüringischer Kommunen, sollte die Mitarbeit an einer Belebung der Veste Heldburg ein Herzensanliegen sein. In ihrem Betreuungsgebiet gibt es mehrere Museen, freilich keines von der Bedeutung der „Fränkischen Leuchte“. Um sie könnten sich aber die anderen scharen. „Die anderen“ – das sind zum Beispiel die Museen in Ahorn und Bad Rodach (Landkreis Coburg) sowie in Straufhain und Eisfeld (Landkreis Hildburghausen). „Grenzenlose Kultur“ schließt sogar Back- und Braukultur ein, für die eine Bürgermeisterin und mehrere Bürgermeister bereits mit viel Leidenschaft werben. Nur die „Fränkische Leuchte“ haben sie bisher nahezu links liegen gelassen.

Siehe auch „Deutsches Burgenmuseum im Herzen Thüringens„