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Horst Mitzel Tagebuch

Personalien im Landratsamt Coburg

Neue Büros mit neuen und älteren Besen

Der Coburger Landrat Sebastian Straubel (CSU) fand seit seiner Amtsübernahme vor immerhin mehr als drei Jahren bisher selten Gelegenheit, Erfolgsmeldungen zu verbreiten. Seine politischen Freunde werden ihn, wenn auch ihnen die Gabe zu Initiativen und Aktivitäten fehlt, dabei in Schutz nehmen. Die Zahl seiner Kritiker, ob im Landratsamt oder im Kreistag, bemängeln hingegen Straubels Bemühungen zu entschlossenem Handeln und zielorientierten Lösungen.

Doch ganz ohne Erfolg ist der ehemalige Lautertaler Bürgermeister mit nicht einmal fünfjähriger Erfahrung im Rathaussessel nicht. Was seinem Vorgänger Michael Busch (SPD) verwehrt blieb, gelang Straubel innerhalb weniger Monate: Der Unionspolitiker fand eine Pressesprecherin. Das ist eine Mitarbeiterin, die im Namen des Landrates Nachrichten verkündet. Dass diese eine Zeitlang von Informationen zur Pandemie und über Corona geprägt waren, darf in die Erinnerung zurückgerufen werden.

Aber sonst? Corinna Rösler ist die erste Pressesprecherin des Landkreises Coburg. Sie zeichnet für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. Die Landräte zuvor – Helmut Knauer (1972 bis 1980), Karl Zeitler (1990 bis 2008) und Michael Busch (2008 bis 2018) – betrauten mit diesen Aufgaben einen ihrer Mitarbeiter im Büro des Landrates.

Den besten Griff dabei hatte Michael Busch mit Dieter Pillmann gemacht. Was Pillmann versprach, hielt er. Die Zusammenarbeit mit ihm bereitete uns Journalisten Freude. Wenn Pillmann morgens um 9:00 Uhr versprach, dass er sich um das Anliegen seines Gesprächspartners rasch kümmere und im Laufe des Tages Antworten auf die gestellten Fragen geben werde, dann hielt er Wort – und wenn es gegen 20:00 Uhr abends war. Auf den Beamten Pillmann war Verlass.

Dieter Pillmanns Wechsel in den Ruhestand bot Landrat Sebastian Straubel Gelegenheit, die Aufgaben in seinem Büro neu zu ordnen. Und ihm gelang es eben auch, nicht nur den Posten des Geschäftsleitenden Beamten neu zu besetzen, sondern eigens eine Position „Presse- und Öffentlichkeitsarbeit“ neu zu schaffen.

Corinna Rösler, die Stelleninhaberin, ist eine sympathische junge Frau aus dem Frankenwald, deren Hilfsbereitschaft anerkennenswert ist. Sie kommt aus dem Tageszeitungsgeschäft, Arbeit und Denken einer Verwaltung waren ihr lange fremd.

Jetzt hält es Landrat Sebastian Straubel, der manche Querverbindung unter den Beamten und Angestellten des Landratsamtes noch immer nicht einzuschätzen weiß, für erforderlich, die Position „Presse- und Öffentlichkeitsarbeit“ weiter auszubauen. Das Personal wird um 100 Prozent aufgestockt. Diese Zahl wirkt auf den ersten Blick alarmierend. Aber es bleibt dabei: Wenn aus einer Mitarbeiterin zwei werden, dann sind es 100 Prozent.

„Die Verstärkung soll zum nächstmöglichen Zeitpunkt erfolgen“, lässt Landrat Straubel auf Anfrage schriftlich mitteilen. Corinna Rösler bevorzugt die schriftliche Auskunft. Dieter Pillmann hätte hierzu keine drei Tage benötigt, stattdessen aber das Telefon genutzt.

Ist der Personalaufwand nötig? „Ja“, verlautet aus dem Landratsamt. Wir zitieren: „… die Gründe hierfür sind, dass die Anforderungen an die Öffentlichkeitsarbeit, wie in anderen Ämtern auch, weiter steigen. Die Themen, die die Bürgerinnen und Bürger betreffen, müssen diesen auch auf sämtlichen Kanälen zugänglich gemacht werden. Die Kommunikation soll schnell und zielgerichtet erfolgen. Dies ist ja auch in anderen Behörden erkennbar, dass man auf die steigenden Anforderungen mit mehr personellem Einsatz reagiert.“

Alles klar? Interessant ist in diesem Zusammenhang die geplante Besetzung der neuen Position. Sie soll von einem langjährigen Redakteur einer Tageszeitung in der Region besetzt werden. Gleichberechtigt mit der derzeitigen Stelleninhaberin. Wir wünschen ihm viel Erfolg.

Aber das ist noch nicht alles. Dass der Stuhl des Geschäftsleitenden Beamten im Büro des Landrates nach relativ kurzer Zeit frei wird, ist schon länger bekannt. Diese Personalie fand seinerzeit in allen politischen Lagern höchste Aufmerksamkeit. Der CSU-Landrat hatte die Position mit einem Sozialdemokraten besetzt. Der will in Zukunft lieber mit dem Fahrrad von Elsa ins Rathaus Bad Rodach fahren als den weiteren Weg nach Coburg mit dem Auto zurücklegen zu müssen. Seine tatsächliche Motivation zum Stellenwechsel liegt aber wohl mehr in der Zukunft. Denkmodelle werden nicht nur im sozialdemokratischen Lager diskutiert.

Der Landrat benötigt also eine neue Stütze, salopp sprechen viele von einer „rechten Hand“. Sebastian Straubel scheint schon fündig geworden zu sein. Diesmal will er die Aufgaben nicht einem langjährigen und zugleich erfahrenen Mitarbeiter aus dem Landratsamt übertragen, wie das über Jahrzehnte seine Vorgänger handhabten, sondern er holt sich einen von außen.

Vieles deutet darauf hin, dass es sich um einen seiner Parteifreunde handelt. Einen, der sich im Verwaltungsbereich auskennt. Nicht im Coburger Raum, dafür aber in einem Ministerium in München, um nur eine Station seines Berufsweges anzudeuten. Auch auf der parteipolitischen Ebene hat der Familienvater bereits Erfahrungen in Erfolgen und Niederlagen gesammelt. In den Coburger Kreistag ist er schon eingeführt und wieder verabschiedet worden.

Das Landratsamt Coburg ist ihm nicht fremd. Auch seiner Frau nicht. So rückt die (CSU-)Familie wieder enger zusammen. Sebastian Straubel sei Dank.

MdL Martin Mittag bittet nach Seßlach

Mit seinem Sohn Karl auf dem Arm eröffnete der CSU-Landtagsabgeordnete Martin Mittag in seinem Heimatort Seßlach sein neues Abgeordnetenbüro. Treue Weggefährten waren zu diesem Anlass auch gekommen.

Die Räumlichkeiten findet man in der Luitpoldstraße 19, also zwischen der St. Johanniskirche und dem Geyersberger Tor. Der Besucher hat beim Betreten den Eindruck, in eine gemütlich gestaltete Wohnküche zu gelangen. Dahinter liegen die Büroräume, also die Zimmer des Abgeordneten und seiner beiden Mitarbeiter.

Die Entscheidung Mittags, sein Abgeordnetenbüro nicht an zentraler Stelle in Coburg zu schaffen, sondern in seiner Heimatstadt, mag viele Gründe haben. Auch familiäre. Vielleicht steckt auch die Absicht dahinter, mehr Besucher für Seßlach zu gewinnen.

Martin Mittags Entscheidung stößt nicht überall auf Verständnis und Zustimmung. Doch winkt er ab. Man wird sich daran gewöhnen. Und so stark war in der Vergangenheit die Besucherfrequenz wohl auch nicht. Dazu kommt, dass die CSU in Coburg ohnehin auf der Suche nach neuen Räumen ist. Das Wahlkreisbüro in der Hindenburgstraße hat ausgedient.