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Von Bad Rodach nach Klingenthal

Zum Frühstück ins Polizeirevier

Stippvisite in Klingenthal: Gastgeber Erster Polizeihauptkommissar Hans-Ulrich Wachter (rechts) führte seine Gäste aus Bad Rodach durch das Polizeigebäude. In der Mitte Herbert Müller, Vorsitzender des Gemeinnützigen Vereins Bad Rodach, links Polizeihauptmeister Matthias Finkel. Fotos: A. Corn
Stippvisite in Klingenthal: Gastgeber Erster Polizeihauptkommissar Hans-Ulrich Wachter (rechts) führte seine Gäste aus Bad Rodach durch das Polizeigebäude. In der Mitte Herbert Müller, Vorsitzender des Gemeinnützigen Vereins Bad Rodach, links Polizeihauptmeister Matthias Finkel. Fotos: A. Corn

Vereinsausflüge sind seltener geworden. Nicht erst seit Corona. Die Zeiten haben sich geändert. Jetzt aber unternahmen die „Heimat- und Bergfreunde“, sprich: der Gemeinnützige Verein Bad Rodach, einen Tagesausflug ins westliche Erzgebirge. Sein erstes bemerkenswertes Ziel war die Bundespolizei-Inspektion Klingenthal mit rund 300 Beamten und Zivildienstangestellten.

Ihr Leiter, Erster Polizeihauptkommissar Hans-Ulrich Wachter, erwartete vor dem Gebäude – ehemals Agentur für Arbeit – die Reisegruppe. Die Begrüßung fiel herzlich aus. Wachter bat seine Gäste zum gemeinsamen Frühstück.

An hübsch gedeckten Tischen wurde Platz genommen. Der Polizeichef freute sich über den Besuch – aus seiner Heimat. Denn: Der 62-Jährige ist gebürtiger Rodacher.

Vor vier Jahrzehnten trat Wachter dem Bundesgrenzschutz (BGS) bei. Nicht am nahen Standort Coburg, sondern in Fulda. Es folgten weitere Stationen in Bayern, mehrmals verbunden mit beruflichem Aufstieg. Die politische Wende 1989/90 eröffnete dem Diplom-Verwaltungswirt neue Perspektiven in Sachsen, wo er zum Beispiel mehrere Jahre in Bad Schandau und am Sitz des Polizeipräsidiums in Pirnau bei der Bundespolizeidirektion tätig war.

Dort ist die Bundespolizei für die Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zuständig. Das heißt bis Adelhausen, Bad Rodachs Nachbar auf thüringischem Gebiet.

Bei Kaffee und Tee, Marmeladen-, Wurst- und Käsebrötchen lauschten die Ausflügler mit wachem Interesse den Ausführungen ihres Gastgebers. Zum Dienstbereich der Inspektion Klingenthal zählen unter anderen die Reviere in Plauen, Zwickau und Bad Brambach.

Das Gebiet grenzt in weiten Teilen an Tschechien an, Wachter verweist auf 131 km Staatsgrenze. Längst gibt es keine stationären Kontrollpunkte mehr, „aber wir fahnden dennoch rund um die Uhr“. Im Nachbarland sind Betäubungsmittel kostenfrei sehr einfach zu erhalten. Das führt zu Problemen auf deutschem Gebiet. Elf Grenzübergänge sind zu beobachten, ebenso 79 Bahnhöfe. Das zu betreuende Streckennetz umfasst 400 Kilometer. Monatlich werden durchschnittlich zehn Haftbefehle in verschiedenen Delikten (Schleusungen, Illegale Einfuhr von Betäubungsmittel, Vollstreckungshaftbefehle) erlassen.

Hans-Ulrich Wachter kam auf weitere Themen zu sprechen: Fußballspiele in Aue, Zwickau, Plauen und Auerbach. Oft sind dort größere Polizeieinsätze erforderlich. Schon mehrere Stunden vor Spielbeginn beziehen Beamte ihre Positionen an den Bahnhöfen und den Wegen zu den Spielstätten. 500 Fans, unter ihnen viele Krawallbrüder, stehen dann 800 Polizisten gegenüber. Müssen Gewalttäter festgenommen werden, werden sie innerhalb weniger Stunden Staatsanwalt und Richtern vorgeführt. Trotz vieler Herausforderungen, die an ihn und an sein Mitarbeiterteam gestellt werden, sagt Wachter: „Wir sind hier im Wald, da ist verhältnismäßig wenig los“.

Klingenthal zählte zu DDR-Zeiten bis zu 25.000 Einwohner, heute sind es nur noch 10.000. Seinen hohen Bekanntheitsgrad erwarb sich das Städtchen durch sein Wintersportangebot. Mit seiner Vogtland-Skiarena sind die Namen der Springerlegenden Helmut Recknagel und Jens Weissflog verbunden.

Natürlich gehörte zum Ausflugsprogramm der Reisegruppe auch ein Abstecher in die Sportstätte, in der regelmäßig Athleten verschiedener Nationen trainieren. Und auf der 800 Meter langen Sommerrodelbahn mit elf Kurven werden jährlich rund 40.000 Fahrten absolviert.

Auf dem Weg nach Plauen (mit einem Zwischenstopp im Falknerhof Reissig), wo sich Hans-Ulrich Wachter von seinen Gästen verabschiedete, verriet er ihnen, dass seine mehr als 40-jährige Dienstzeit im Februar nächsten Jahres endet. Bis dahin wird er noch regelmäßig an den Wochenenden zwischen dem Familiensitz Bad Rodach und seinem Dienstsitz Klingenthal – beide Orte trennen eine rund zweistündige Autofahrt – pendeln.

Im Gemeinnützigen Verein Bad Rodach, mit dem sich Wachter seit vielen Jahren eng verbunden fühlt und im Rahmen seiner Möglichkeiten in anerkannter Weise engagiert, freuen sich viele auf Begegnungen mit ihm auf dem „Hausberg“ (Georgenberg). In Plauen verabschiedeten sie sich von ihm mit dem „Coburger Marsch nach Herbert Müllers Art“ (Erster Vorsitzender des Gemeinnützigen Vereins Bad Rodach).

Horst Mitzel

Klingenthaler Bilderbogen