Zwischen Gut und Böse 

Der harmlose Fall um ein totes Schaf entwickelt sich zu einem spannenden Krimi

Begonnen hat alles mit einem kleinen Verkehrschaos am Bahnhof der Sylter Inselhauptstadt Westerland und einem rassistischen Vorfall, beides ausgelöst von zwei wohlstandsverwahrlosten Jungschnöseln. Als dann aber noch ein totes Schaf dazukommt, ist es um den pensionierten Polizeichef Karl Sönnigsen geschehen. Zumal der kauzige Rentner, dem Anstand, Gerechtigkeit und gutes Benehmen über alles gehen, nach wie vor mit der Arbeitsweise seines Nachfolgers Peter Runge ganz und gar nicht einverstanden ist.

Natürlich gründet der penible Ex-Ermittler Sönnigsen zusammen mit Charlotte, Inge und seinem Freund Onno wieder einmal eine Soko. Eine ganze Reihe seltsamer Ereignisse verkomplizieren die Angelegenheit noch. So entwickelt die Geschichte eine bemerkenswerte und zuweilen fast schon gefährliche Eigendynamik und läuft hier und da auch schon mal gehörig aus dem Ruder. Schließlich wird aus der Soko Schaf dann plötzlich die Soko Free Harry. Dafür entwirrt Dora Heldt in großartiger Manier die verschiedenen Handlungsfäden, die neben einem schwarz arbeitenden und Drogen vertickenden Hausmeister sogar eine schnulzig-schöne Liebesromanze für den Leser bereithalten.

Mit „Böse Leute“ und „Wir sind die Guten“ hat sich Dora Heldt vor einem Jahrzehnt mit großem Erfolg in die Welt der Kriminalromane gewagt. Dafür schuf sie die Figur des Karl Sönnigsen, der nach seiner Pensionierung als Polizeichef von Sylt von gewaaltiger Langeweile geplagt wird. Deswegen nervt er seinen Nachfolger Peter Runge mit jeder Menge von Anzeigen, die der Revierleiter in aller Regel aber ignoriert. Das wiederum geht dem ehemaligen Vollblut-Polizisten gehörig gegen die Hutschnur. Einbrüche, Erpressung und sogar eine Tote wurden in „Böse Leute“ von Sönnigsen und seinem privaten Soko-Team gelöst. In „Wir sind die Guten“ ging es um eine scheinbar spurlos verschwundene Putzfrau und einen Toten, der offenbar vom Felsen am Roten Kliff gestürzt war. Und nun eben baut sich der aufregende Fall rund um ein totes Schaf auf.

Mit ihrem dritten Krimi will Erfolgsautorin Dora Heldt, die eigentlich Bärbel Schmidt heißt und die sich für ihre Bücher den Namen ihrer Großmutter zugelegt hat, auf eine in den letzten Jahren zunehmende „Klimaverschlechterung“ innerhalb der Gesellschaft hinweisen. Immer mehr fällt ihr nämlich auf, dass gerade auf Sylt die Besucher immer lauter und egoistischer werden. Viele von ihnen glauben, sich auf der Insel der Schönen und Reichen im Restaurant, auf den Radwegen oder im Straßenverkehr rücksichtslos benehmen zu können. Dass dabei so spannende Krimis herausgekommen sind, die zudem auch Witz und Herzenswärme ausstrahlen, nährt den Wunsch nach einem neuen Fall für und um den schrulligen und knorzigen Karl Sönnigsen. Auch wenn der Untertitel des dritten Bandes von seinem letzten Fall kündet. Aber vielleicht findet Dora Heldt einen Weg, damit Karl Sönnigsen und sein Soko-Team wieder in einer gefährlichen Mission für Aufklärung sorgen.

Zwischen Gut und Böse. Karl Sönnigsens letzter Fall, von Dora Heldt, 368 Seiten, Format 13,6 x 21 cm, broschiert, dtv Verlagsgesellschaft (München), 17 Euro, ISBN: 978-3-423-26462-4 Thomas G. Zügner