
Wann Politiker nicht über Geld sprechen wollen …
Licht und Schatten, Freude und Enttäuschung – mit diesen wenigen Worten könnte der letzte Wahlgang bei den Kommunalwahlen überschrieben werden. Am 8. März und 22. März (Stichwahlen) hatten die Wählerinnen und Wähler mit der Vergabe von Kreuzchen auf dem Wahlschein die Entscheidung über die Besetzung vieler Ämter in ihrer Hand. Vier bis sechs Wochen später oblag den gewählten Gemeinde-, Stadt- und Kreisräten die Aufgabe, die Stellvertreter für Landräte und Bürgermeister aus den neuformierten Reihen zu wählen. Auch deren Ergebnisse sind unterdessen bekannt.
Weitaus weniger bekannt wurden Entscheidungen in finanziellen Fragen. Sparen die Politiker auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene, die seit geraumer Zeit dem Wahlvolk Kürzungen öffentlicher Mittel für alle Generationen abverlangen, auch bei sich selbst?
Dazu ist kaum etwas über die heimischen Medien an die Öffentlichkeit gelangt. Zu den wenigen Ausnahmen gehört zum Beispiel die Nachricht, dass dem Ersten Bürgermeister der Stadt Bad Rodach eine monatliche Dienstaufwandsentschädigung in Höhe von 700,90 Euro gewährt wird (Coburger Tageblatt vom 23. Mai 2026). Die Information erhält noch die interessante Ergänzung „unverändert“. Also galt sie in dieser Höhe auch schon bisher.
Die Aufwandsentschädigung gibt es zusätzlich zum Monatsgehalt, steuerfrei. Bei über 6.000 Einwohnern ist Bad Rodachs Erster Bürgermeister in der Besoldungsgruppe A 16. Diese sieht in der Endstufe die Zahlung von rund 8.500 Euro vor.
Bad Rodach ist seit etlichen Jahren nicht auf finanziellen Rosen gebettet. Sind in der Kleinstadt im Nordwesten des Coburger Landes nicht gerade in letzter Zeit die Sorgen um geringere Einnahmen größer geworden? Wurden den Bürgerinnen und Bürgern nicht auch Gebührenerhöhungen zugemutet?
Es mag alles rechtens sein, aber ein Signal aus dem Rathaus wird vermisst: Verzicht! Bad Rodachs Erster Bürgermeister wäre nicht der Erste in der Region, der freiwillig auf einen Teil seiner Aufwandsentschädigung verzichtet. Bürgermeistersein heisst auch Vorbild zu sein.
Dienstältester Kommunalpolitiker in der Region

Bleiben wir bei Bad Rodach. Dort besetzt die CSU erstmals das Amt des Zweiten Bürgermeisters – konkret: mit einer Dame, mit Nina Klett. Schon geraume Zeit als „Dritte“ hat sie mit ihrer Kompetenz bei verschiedenen Anlässen imponiert und überzeugt. Sie ist eine der wenigen Bürgermeister-Vertreterinnen, die sich auf ihre Besuche bei Vereinen und Familien gut vorbereitet.
Bei der Stadtratswahl im März eroberte die Union sechs Sitze, einen mehr als sie in der Legislaturperiode zuvor hatte. In ihren eigenen Reihen gibt es Stimmen, die meinen, bei mehr Mut an der Partei- und Fraktionsspitze wäre sogar ein weiteres Mandat möglich gewesen. Zum Beispiel dann, wenn die CSU einen Kandidaten oder eine Kandidatin für das Amt des Ersten Bürgermeisters ins Rennen geschickt hätte.
Die CSU-Fraktion führt jetzt Stephan Schink. Zuvor war dies Moritz Regenspurger. Ihm wurde parteiintern und vor allem darüber hinaus oftmals vorgeworfen, zu wenig präsent in Bad Rodach zu sein. Als Grund dafür galten vorwiegend berufliche Verpflichtungen. Jetzt sieht es wohl anders aus. Moritz Regenspurger hat sich nun auch in den Coburger Kreistag wählen lassen…
Neuer Dritter Bürgermeister in Bad Rodach ist aktuell Axel Dorscht (SPD). Schon in früheren Jahren hatte Dorscht in ähnlicher Funktion gewirkt, vor allem als Nachfolger von Heinz Morgenroth (+ 2009), unter dem ehemaligen Ersten Bürgermeister Gerold Strobel (1994-2012).
Erstmals Platz 3 im Trio der Rodacher Bürgermeister belegt jetzt die SPD mit Axel Dorscht. Mehr als dessen neue Berufung beschäftigte etliche Zuhörer der konstituierenden Sitzung – die grundsätzlich gegenüber anderen Arbeitssitzungen einen festlichen Charakter hat – sein Outfit. Es entsprach wohl nicht dem Anlass und der Würde der Zusammenkunft.
Freude und Enttäuschung hielten sich vor allem unter den Neulingen die Waage. Freude erfüllte die Neulinge über ihren Einzug in den Stadtrat, Enttäuschung über die Nichtberücksichtigung bei der Vergabe der imagebildenden Posten (Bürgermeister-Stellvertreter).

Ungeteilte Freude genoss der 75-jährige „Heimkehrer“ Herbert Müller (SBB). Nach sechsjähriger Abstinenz kam er in den Stadtrat zurück, dem er schon von 1978 bis 2020 ununterbrochen angehört hatte. Davon mehr als vier Jahrzehnte für die SPD. Dort schied Müller kurz vor den Kommunalwahlen 2020 enttäuscht und verärgert aus. Stattdessen nahm er wieder für sechs Jahre im Kreistag Coburg Platz, dem er bereits in früheren Jahren angehört hatte. Sein knapp 48-jähriges politisches, ehrenamtliches Engagement ist beispielhaft und rückt ihn wohl an die Spitze aller diensthabenden Kommunalplitiker im Coburger Land.
Als Dritter Bürgermeister der Stadt Bad Rodach schied Rainer Möbus nach relativ kurzer Amtszeit aus. In dieser Position schien er sich nicht immer wohlgefühlt zu haben. Gruß-Gott-Touren während der normalen Arbeitszeit waren nicht in seinem Sinne, seine Anwesenheit im eigenen Betrieb war ihm verständlicherweise oftmals wichtiger. So gab es gelegentlich fruchtlose Debatten mit seinen Partnern.
Doch Rainer Möbus wäre nicht Rainer Möbus, würde er nicht nur Aufgaben abschütteln, sondern sogleich nach neuen greifen. Vom Coburger Kreistag ließ er sich jetzt zum zweiten Stellvertreter des Landrates berufen. Dazu mehr am Schluss dieses Tagebuch-Eintrages. Hier nur noch zur Erinnerung: Aus Bad Rodach kam schon einmal ein Stellvertreter des Landrates. Das war unter Helmut Knauer, der von 1972 bis 1990 das Amt des Coburger Landrates inne hatte, der Rodacher Sozialdemokrat Egbert Friedrich.
CSU-Männerriege verdrängt Renate Schubart-Eisenhardt
Jetzt nach Seßlach. Dort ist Carsten Höllein (SPD) zum Zweiten Bürgermeister aufgestiegen, bisher war er Dritter. Neun von 17 Stimmen entfielen auf ihn. Man muss in der Region lange suchen, um einem Ehrenamtlichen zu begegnen, der sich in Politik und Sport ebenso stark engagiert wie der SPD-ler und Fußballfreund Carsten Höllein aus Gemünda. So kann seine Wahl zum Zweiten Bürgermeister als Ausdruck von Respekt und Anerkennung gewertet werden.
Gegen Höllein traten für die CSU die bisherige Amtsinhaberin Renate Schubart-Eisenhardt (Setzelsdorf) und Pascal Kellner (Gemünda) an. Letzterer war bei der Wahl für das Amt des Ersten Bürgermeisters dem Amtsinhaber (seit 2019) Maximilian Neeb (Freie Wähler) zwar mit einem achtbaren, aber eben nicht zum Sieg ausreichenden Ergebnis unterlegen. Als neuer Stadtrat zog er aber in das Gremium ein.
Renate Schubart-Eisenhardt wäre gerne wieder Zweite Bürgermeisterin geworden, doch die Männerriege in der Union verweigerte ihre Unterstützung und machte sich stattdessen für Pascal Kellner stark. Dennoch wurde Schubart-Eisenhardt für den Posten Bürgermeister-Vize ins Gespräch gebracht. Nämlich von Arno Schlögl (AfD). Erstens brachte ihr diese Empfehlung nichts und zweitens hat sie sich damit zusätzlich Ärger ihrer CSU-Parteikollegen zugezogen. Von ihr habe man erwartet, so die Kritiker, dass sie die AfD-Empfehlung spontan und energisch ablehnt.
Nachdem Pascal Kellner bei der Vergabe des ersten Stellvertreters nicht zum Zuge gekommen war, versuchte die CSU es für ihn noch einmal. Diesmal mit Erfolg. Pascal Kellner ist nun Dritter Bürgermeister.
In der Bevölkerung, vor allem in Gemünda, wird es in der nächsten Zeit Kellners Aufgabe sein müssen, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Vielerorts wird ihm nämlich verübelt, dass er nach der verlorenen Bürgermeisterwahl in die Rolle der „beleidigten Leberwurst“ schlüpfte und den erst Anfang 2025 übernommenen Vorsitz bei der „Stiftung 1150 Jahre Dorfgemeinschaft Gemünda“ wenige Tage nach der verlorenen Bürgermeisterwahl niederlegte.
Auf eine erneute Kandidatur für ein Stadtratsmandat in seiner Heimatstadt Seẞlach hatte im März Martin Mittag (CSU) verzichtet. Dennoch war er zur ersten Sitzung des neuen Stadtrates eingeladen worden. Mittag sagte jedoch ab, er soll als Landtagsabgeordneter in München „unabkömmlich“ gewesen sein. Die ihm zugedachte Ehrung in Seßlach musste deshalb verschoben werden.
Auch bei der ersten Kreistagssitzung fehlte das wiedergewählte Mitglied in der CSU-Fraktion. An seine wiederholte Abwesenheit in den letzten Jahren haben sich Verwaltung und Kreistag schon gewöhnt. Da das 61-köpfige Gremium wohl kaum Martin Mittags wegen in Zukunft am Wochenende tagen möchte (um seine Anwesenheit zu sichern), käme wohl eher der Wochenanfang in Frage. 59 Kreisräte, 1 Landrat und Martin Mittag stehen vor einer bemerkenswerten Herausforderung.
Bernd Reisenweber um eine Erfahrung reicher
Damit sind wir beim abschließenden Kapitel Kreistag angelangt. Der sollte, so war es die Absicht vorwiegend der Freien Wähler, mit Bernd Reisenweber einen neuen ersten Stellvertreter des Landrates bekommen. Der 62-Jährige war nach 24 Jahren an der Spitze der Gemeinde Ebersdorf für das Amt des Ersten Bürgermeisters nicht mehr angetreten, hatte jedoch im Vorfeld kundgetan, im Kreistag weiterhin mitarbeiten und im Falle seiner Wahl die Aufgaben des ersten Landrat-Stellvertreters übernehmen zu wollen.
Ende April gab es für Bernd Reisenweber in Ebersdorf ein großes Fest. Weggefährten aller politischer Gruppierungen waren gekommen, lobten sein langjähriges erfolgreiches Wirken und versprachen, ihn bei der Wahl „Stellvertreter“ zu unterstützen. Doch haben alle Wort gehalten? Zweifel sind angebracht. Denn nicht Reisenweber wurde das Amt übertragen, sondern wieder Martin Stingl (SPD). Es darf vermutet werden, dass die überwiegende Mehrheit von SPD und CSU dem Neustadter Kandidaten den Vorrang gegeben haben. Auch der Landrat.
Zweiter Stellvertreter von Sebastian Straubel (CSU) wollte Bernd Reisenweber nicht werden. Das hatte er frühzeitig deutlich gemacht. So war für Rainer Möbus der Weg frei. Dessen Vorgänger Christian Gunsenheimer (Weitramsdorf) ist unterdessen in den Coburger Stadtrat gewechselt.