Bezirkstag in der Kritik – Bad Rodach feiert ohne Gäste von Bund und Land – Ministerpräsidenten kommen nicht ins Rodachtal

Bezirkstag in der Kritik – Bad Rodach feiert ohne Gäste von Bund und Land – Ministerpräsidenten kommen nicht ins Rodachtal

Weil Bezirkstagspräsident Henry Schramm einem AfD-Funktionär aus dem Bamberger Land die „Bezirksmedaille in Silber“ verliehen hat, gibt Peter Jacobi (Dörfles-Esbach) – langjähriger Landes- und Kreispolitiker sowie Präsident des Fränkischen Sängerbundes – seine vor 25 Jahren erhaltene Auszeichnung zurück. Mit Henry Schramm sind auch dessen CSU-Kollegen, die Bezirksräte und Landräte Sebastian Straubel (Coburg) und Christian Meißner (Lichtenfels), für die umstrittene Verleihung verantwortlich. 

Jubiläumsfeier in Bad Rodach ohne prominente Gäste von Bund und Land. Es mögen sich in Bad Rodach nur noch wenige Bürgerinnen und Bürger an die „schwere Geburt“ der ThermeNatur vor fünf Jahrzehnten erinnern. Doch zur Einweihung des Bewegungsbades am 5. Juni 1976 waren Bayerns Ministerpräsident Dr. Alfons Goppel (CSU) und der damalige Bundesjustizminister Dr. Jochen Vogel (SPD) gekommen. Die 50-Jahr-Feier der einstmals Nordbayerns wärmste Therme Anfang Juni des laufenden Jahres fand ohne politische Prominenz aus Berlin und München statt. Warum? 

25 Jahre Initiative Rodachtal. Die vor einem Vierteljahrhundert gegründete Allianz mit bayerischen und südthüringischen Kommunen kündigt seit Anfang des Jahres diverse Jubiläumsveranstaltungen an. Im Februar lud sie Medienvertreter eigens ins Eisfelder Schloss, um dort ihre Erwartung zu äußern, dass im August sowohl der thüringische wie der bayerische Ministerpräsident ihre Gäste sein werden. Doch Pustekuchen. Weder der eine noch der andere will kommen. Und eine Feier gibt es im August auch nicht. Hitzebedingt musste außerdem eine für Ende Juni in der „Alten Schäferei“ in Ahorn bei Coburg angekündigte Veranstaltung abgesagt werden. 

Wenn Politiker sogar an Buße denken

Der Bezirkstag Oberfranken ist für viele Menschen das „unbekannte Wesen“. Seine Augaben liegen vor allem im sozialen und kulturellen Bereich, doch die breite Bevölkerung nimmt sie kaum wahr. Die Region Coburg ist seit Jahrzehnten in dem Gremium vertreten – aktuell allerdings nur noch mit einer Stimme: Landrat Sebastian Straubel (CSU). Die oberfränkische Union ist mit 8 Repräsentanten die stärkste Fraktion. Ihr folgen mit  je 3 die Freien Wähler und die AfD, je 2 haben SPD und Bündnis 90/Die Grünen. Also sind es insgesamt 18 Volksvertreter.

Jetzt geriet der Bezirkstag von Oberfranken in die Schlagzeilen etlicher Medien, wie schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr. Ursache dafür ist die Verleihung der „Bezirksmedaille in Silber“ an den ehemaligen AfD-Fraktionsvorsitzenden im Bamberger Kreistag, Michael Genniges (75). Den Antrag hierfür hatten seine Parteifreunde eingereicht und – mit Unterstützung der CSU, wie längst eingestanden wird – ein positives Ergebnis erzielt. Dass zwischen Beschluss und Ausführung rund sechs Monate vergingen, ohne dass darüber etwas an die Öffentlichkeit drang oder einem der JA-Sager Zweifel an der Richtigkeit seiner (Gewissens-)entscheidung kamen, ist freundlich formuliert „bemerkenswert“.

Wem aber die Bekanntgabe der Medaillenübergabe und die Würdigung des Empfängers bitter aufstieß, war Peter Jacobi. Der ehemalige FDP-Landes- und Kreispolitiker, nicht zuletzt aber vor allem als engagierter Präsident des Fränkischen Sängerbundes (FSB) noch vielen in Erinnerung, richtete spontan einen Brief an den Bezirkstagspräsidenten. Mehr noch. Peter Jacobi sandte seine vor 25 Jahren erhaltene „Bezirksmedaille in Silber“ an Henry Schramm zurück und ließ ihn wissen, dass er die unter ihm getroffene Entscheidung des Bezirkstages zugunsten des ehemaligen Buchhändlers Genniges aus Scheẞlitz „auf das Schärfste“ missbillige.

Schon vor fünf Jahren (!) hat Peter Jacobi dem umstrittenen AfD-Politiker die Stirn geboten. Michael Genniges war damals Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Bamberg in der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), einer überparteilich wirkenden Gruppe. Jacobi sorgte maßgeblich für dessen Ablösung und für den Rücktritt des Vorstandes; er selbst gehört der Regionalgruppe weiterhin an.

Der 81-jährige Freie Demokrat schrieb jetzt an Bezirkstagspräsident Henry Schramm, dass er gegenüber der DIG, seinen liberalen Freunden und auch seiner Familie es nicht verantworten könne, „mich mit diesem Herrn in eine Reihe stellen zu lassen“.

Was Henry Schramm und seine CSU-Freunde eigentlich hätten berücksichtigen müssen, reibt ihnen Jacobi nun unter die Nase und zitiert unter anderem die Aussage aus AfD-Kreisen: „Der Nationalsozialismus wird sich als Mückenschiss der Weltgeschichte erweisen“ sowie den Satz: „Wir sind der Rammbock des Volkes, mit dem das Volk demokratisch in die Festungen des ebablierten Machtkartells eindringt.“ Peter Jacobi stellt auch die Frage: „Soll wieder einmal nur weggeschaut werden ?“ Dies will vor allem er nicht tun. Deshalb habe er seine Auszeichnung zurückgegeben.

Wer bekommt die silberne Ehrenmedaille?

Die silberne Ehrenmedaille des Bezirks Oberfranken (häufig auch als silberne Ehrennadel bezeichnet) wird in Anerkennung von herausragenden und beispielhaftem Engagement für das Gemeinwohl sowie für eine tiefe Verbundenheit zur Region verliehen. Die Auszeichnung würdigt Personen, die sich weit über das normate Maß hinaus um das Wohl und die Entwicklung Oberfrankens verdient gemacht haben. So kann man es im Internet mehrfach lesen.

Die CSU-Bezirkstagsfraktion braucht nicht mehr gefragt zu werden, „schaut ihr weg?“, sondern sie muss mit der Frage konfrontiert werden, „warum habt ihr weggeschaut ?“ Denn die einzelnen Reaktionen aus ihrem Lager sprechen Bände. Der Lichtenfelser Landrat Christian Meißner, zugleich CSU-Fraktionsvorsitzender im Bezirkstag, spricht davon, „Buße zu tun“ sei jetzt erforderlich. Sein Coburger Kollege Sebastian Straubel räumt ein, „wohl daneben gegriffen zu haben“. Und was sagt eigentlich Johann „Hans“ Kalb, ehemals Landrat in Bamberg (Mai 2014 bis April 2026) und zugleich einer der Stellvertreter des Bezirkstagspräsidenten zu dem Fiasko? Nach Coburg ist bis jetzt nichts durchgedrungen.

Man kann noch weitere Fragen stellen. Zum Beispiel, wie oberflächlich wird beim Bezirk in Bayreuth mit seinen rund 2.000 Mitarbeitern eine Personalentscheidung vorbereitet? Eine Ehrung ist eine solche von besonderer Bedeutung!

Es sind bereits Rufe nach dem Rücktritt von Bezirkstagspräsident Henry Schramm laut geworden. Das kommt nicht überraschend. Dabei ist aber zu bemerken, dass Schramm „nur“ einen Beschluss vollzogen hat. Für die „Ehrung“ sind alle verantwortlich, die ohne ausreichende Recherche dafür ihre Stimme gegeben haben.

Warum hat dies die Mehrheit des Bezirkstages von Oberfranken getan? Eine klare Antwort darauf durch die Verantwortlichen steht noch immer aus. Sebastian Straubel hat unterdessen das Gespräch mit Peter Jacobi gesucht. Henry Schramm hat mit Datum vom 19. Juni an den „sehr geehrten Abgeordneten a. D. Jacobi“ einen Brief geschrieben und darin „ehrliches Bedauern“ über die Rückgabe der Ehrenmedaille zum Ausdruck gebracht.

War’s das? Kein Wunder, dass die Spekulationen über die wahren Gründe der aufseherregenden Entscheidung kräftig ins Kraut schießen. Könnte es nicht sein, so ein Insider, dass in der CSU einer mit der „Bezirksmedaille in Gold“ liebäugelt? Um diese zu bekommen, benötigt die achtköpfige Union im Bezirkstag die Unterstützung von zwei bis drei Stimmen aus einer anderen Fraktion. Bei 18 anwesenden Bezirksräten wird die Mehrheit mit 10 Stimmen erreicht. Aber wenn es schon „Gold“ sein soll, dann bitte möglichst mit einem deutlichen Vertrauensbeweis. Das heißt also, gegebenenfalls kommt es auf jede Stimme an. Schon zwei oder drei Gegenstimmen könnten das Bild trüben. Sorgen haben die Leute.

Therme „Coburger Land“ mit Sitz in Bad Rodach

Du glückliches Bad Rodach! Seit 50 Jahren steht das einst als Thermal-Bewegungsbad firmierte Gebäude auf dem Schleichersberg. Noch unter Bürgermeister Gerold Strobel hat es seinen Namen als ThermeNatur gefunden, Reicht das auf Dauer für einen bundesweit zu erzielenden höheren Bekanntheitsgrad aus? Es hat schon viele Vorschläge gegeben um diesen zu verbessern, doch alle wurden in den Wind gesprochen.

In absehbarer Zeit wird es eine Autobahn-Raststätte mit dem Namen „Coburger Land“ geben. Gut so. Aber der Therme auf Rodacher Boden diesen oder einen ähnlichen Namen zu verleihen, das wollen einige Besserwisser im Nordwesten des Coburger Landes nicht. Und weder in der Stadt noch im Landkreis findet sich einer, der dafür seine Stimme erhebt. Sieht man einmal von der Wirtschaftsförderung am Landratsamt Coburg ab. Sie hat dies schon in einer Sonderausgabe des hm-.ZweiLänder-Magazins vor 10 Jahren empfohlen!

Nun also wurde das 50-jährige Bestehen der ThermeNatur gefeiert. Hierzu wurde auf einem Briefbogen der Therme Natur eingeladen. Gleich vier Unterschriften fanden sich darauf: Bürgermeister Tobias Ehrlicher, Landrat Sebastian Straubel, Lutz Lange und Stine Michel (letztere beide Geschäftsführer). Autogrammjäger würden vielleicht ihre Freude daran haben.

Vermutlich wäre anderswo dafür ein eigens gefertigter Briefbogen mit dem Rathaus als Absender gefertigt worden. Schon deshalb, damit der Eindruck weiter vermieden wird, die Stadt Bad Rodach spiele, wenn es um ihre Therme geht, nur noch die zweite Geige. Und wenn schon der Landrat um sein Mittun auf dem Briefbogen gebeten wurde, warum dann nicht auch der Coburger Oberbürgermeister? Beide, Stadt und Land, steuern jährlich aus ihren Haushalten eine erkleckliche Summe für den Erhalt und die Weiterführung der ThermeNatur bei.

Was aber noch mehr auffiel: Wo waren Festgäste von Bund und Land? Auch wenn sich kaum noch einer an die schwierige Anfangszeit vor und nach 1976 im einst von der Industrie geprägten Städtchen im „toten Winkel“ erinnert, zur Grundsteinlegung und zur Einweihung des Heilbades kam die politische Prominenz. Der bayerische Ministerpräsident Dr. Alfons Goppel erschien zu beiden genannten Festlichkeiten.

Ohne die Hilfe des Bundes und des Freistaates hätte Rodach, das seit über 25 Jahren auch das Prädikat „Bad“ in seinem Namen trägt, keine Therme. Keinen zusätzlichen Wirtschaftsbetrieb, keinen „Leuchtturm“, der das Image der Kommune erheblich aufwertet.

Aus den Reihen der CSU wird versichert, in der Frage „Besuch aus München zum Jubiläum“ nicht untätig gewesen zu sein. Erfolg hatte das Handeln aber nicht. Enttäuschung und Verärgerung begleiten deshalb die Frage, was die örtliche CSU noch tun muss, um endlich mehr Gehör zu finden?

Nach der Kommunalwahl im März zog die CSU mit einem deutlichen Stimmenzuwachs in den Stadtrat ein und verbesserte ihren Sitzanteil im Gremium. Zugleich stellt sie erstmals den Zweiten Bürgermeister in der Person Nina Klett.

Wenn das in München schon nicht registriert wird, wie sieht es dann auf Kreisebene aus? Der Vorsitzende des CSU-Kreisverbandes Coburg-Land, Martin Mittag, ist der wohl noch bekannteste Landtagsabgeordnete aus der Region Coburg im Maximilianeum. Hat dort seine Stimme in der Fraktion noch Gewicht? Wie sieht es um seinen Kontakt zu den Ministerien und zur Staatskanzlei aus?

Ministerpräsident Dr. Markus Söder wäre nicht das erste Mal nach Bad Rodach gekommen. Ist ihm sein letzter Besuch so „stark“ in Erinnerung geblieben, dass er nicht schon wieder dort seine Visitenkarte, sprich: Förderbescheid, überreichen wollte?

Mit wem feiert die Initiative Rodachtal ihr Jubiläum?

25 Jahre Initiative Rodachtal! Schon im Februar hat der Verbund fränkischer und südthüringischer Kommunen auf sein anstehendes Jubiläum hingewiesen. Besondere Ehrengäste sollten die Jubiläumsfeier aufwerten. Gemeint waren damit die Ministerpräsidenten beider Länder, also Mario Voigt (Thüringen) und Dr. Markus Söder (Bayern). Wer hat guten Kontakt zu beiden?

Die Spitze der Initiative Rodachtal nannte auch schon den Monat, in dem die sogenannte Zentralfeier stattfinden sollte: August 2026. Es war in den Februar-Tagen auch die interessanteste Meldung, die damals in einer Pressekonferenz im Eisfelder Museum ausgestreut wurde. Anradeln, Anwandern und manches andere waren kaum neu.

In den folgenden Wochen warteten manche auf ein konkretes Datum für die Feier im August. Vielleicht warten sie immer noch. Sie können es aber aufgeben. Beide Ministerpräsidenten bleiben dem Rodachtal fern. Was sind die Gründe? Es darf gerätselt werden. In erster Linie werden wohl Terminprobleme genannt. Auf jeden Fall sagt keiner, die entsprechenden Einladungen seien zu spät erfolgt. Vielleicht lag es auch an Stilfragen.

Und im August feiert die Initiative Rodachtal jetzt auch nicht. Aber nicht der möglichen Hitzetagen wegen. Da hat sie ohnehin eine bittere Erfahrung machen müssen. Sie wollte ihre Backkultur Ende Juni in der „Alten Schäferei“ in Ahorn feiern. Knapp 40 Grad ließen dies nicht zu. Leider.

Wenige Tage zuvor war Ministerpräsident Mario Voigt im Landkreis Hildburghausen. Es muss ihm gut gefallen haben. Ausgangspunkt der dafür erfolgten Einladung war der Seniorentag in der Kreisstadt. Eine Veranstaltung mit 30 Informationsständen auf dem „Markt der Möglichkeiten“, mit Mitmachaktionen für das Publikum und mit einem attraktiven Bühnenprogramm.

Die Seniorenarbeit im Landkreis Hildburghausen gilt thüringenweit als vorbildlich. Triebfeder ist in erster Linie Marion Seeber, die Seniorenbeauftragte des Landkreises Hildburghausen. Sie hat den Ministerpräsidenten persönlich eingeladen. Und der verband seinen Besuch zugleich mit der Bereisung des Landkreises. Eine Einrichtung, die einst Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel (CDU) schuf und die seither auch von allen Nachfolgern im Amt des „Landesvaters“ jährlich fortgeführt wird.

Beim Seniorentag in Hildburghausen ehrte Ministerpräsident Mario Voigt die Hauptorganisatorin der Veranstaltung, Marion Seeber, mit dem Ehrenzeichen „Grünes Herz“. Und den Landkreis bezeichnete der Gast aus Erfurt als „ein Vorbild in Sachen des ehrenamtlichen Engagements“: „Weil es hier ein dichtes Netz und viele Menschen gibt, die vorneweggehen und etwas bewegen. Wir wollen dieses Netzwerk stärken und unterstützen“, fügte Mario Voigt hinzu.

Später machte sich der Ministerpräsident auf, um noch weitere Städte und Gemeinden zu besuchen. In Poppenhausen interessierte er sich für das Brauhaus „und veranstaltete seine ‚Lokalrunde‘ mit über 100 Ehrenamtlichen“, freut sich Heldburgs Bürgermeister Christopher Other im Nachhinein.

Landrat Sven Gregor stellt ebenso zufrieden wie erfreut fest: „Der Ministerpräsident war 12 Stunden zu Gast im Landkreis Hildburghausen.“