OB Dominik W. Heike, Neustadt, seit 100 Tagen im Amt 

Oberbürgermeister Dominik W. Heike eilt im weißen Poloshirt und mit Käppi auf dem Kopf über den Flur im zweiten Stock des Rathauses in Neustadt bei Coburg. In seinem Amtszimmer, das er Anfang Mai erstmals als neugewähltes Stadtoberhaupt bezog, begrüßt der 45-Jährige seinen Besucher mit heiserer, angeschlagener Stimme. Sind das Folgen langer und vieler Reden? Heike kommt einer entsprechenden Frage seines Gastes zuvor. Die Klimaanlage im Dienstgebäude bereite ihm persönlich Probleme, sagt der OB und schlüpft sofort wieder in die Rolle des Gastgebers; „Darf ich Ihnen eine Tasse Kaffee anbieten?“ „Gerne“, ist die Antwort. 

Da sitzt Heike nun am runden Tisch mit seinem Gast, zwei Schritte weiter ist sein Arbeitsplatz. Über 30 Jahre war Frank Rebhan (SPD) im Chefsessel gesessen, hatte mit Mitarbeitern Arbeitsabläufe besprochen, Alltagsprobleme diskutiert oder persönliche Wünsche vieler Bürgerinnen und Bürger angehört. Dann kam die Kommunalwahl im März des laufenden Jahres, das Ergebnis ist bekannt.

Dominik Heike sagt, er habe sich an seine neue Aufgabe rasch gewöhnt. Viele Mitarbeitende seien ihm aus seiner mehrjährigen Stadtratsarbeit bekannt und er sei ihnen nicht fremd. In den ersten Wochen nach der Amtsübernahme habe er allen seines Teams an deren Arbeitsplätzen einen Besuch abgestattet, mit ihnen geplaudert und – vorwiegend den Damen – kleine Süßigkeiten geschenkt. Auch den städtischen Bauhof habe er besucht. Für die Arbeiter gab es – was sonst – Neustadter Bratwürste und Bier. 

Für beide Teile Arbeitgeber und -nehmer – gilt: Sie müssen sich aneinander gewöhnen. Mehr als drei Jahrzehnte unter ein und demselben OB – das schweißt zusammen und lässt aber auch Verkrustungen entstehen. Rasch hat der neue Oberbürgermeister in der Verwaltung deutlich gemacht, dass er keine „Zwangsversetzungen“ unter den rund 230 Beschäftigten veranlassen werde; auch die Besetzung in seinem Vorzimmer bleibe unverändert. 

Mit seinem Vorgänger pflegt Heike seit dem Tag der Stichwahl, bei der ihn die Wählerinnen und Wähler mit rund 60 Prozent der abgegebenen Stimmen an die Stadtspitze beriefen, einen relativ intensiven Gedankenaustausch. Die beiden Politiker – der mehr als 20 Jahre ältere Sozialdemokrat Rebhan und der wesentlich jüngere Christdemokrat Heike – mag vieles trennen, doch wenn es um ihre Heimatstadt geht, finden sie einen Weg zueinander.

Natürlich ist der Terminkalender des amtierenden Oberbürgermeisters reich gefüllt, natürlich geht es Neustadt wie vielen anderen Kommunen ähnlich: Die Finanzen sind angespannt, die Steuereinnahmen fließen spärlicher als in früheren Jahren, die Erfüllung der Pflichtaufgaben lassen für freiwillige Leistungen immer weniger Spielraum. Eine Beratung folgt der anderen: Wo gibt es noch Fördertöpfe, wo muss der Rotstift angesetzt werden? 

Mit Dominik Heike stellt die CSU erstmals den OB in der „Bayerischen Puppenstadt. wo längst keine Puppen mehr hergestellt werden. Aber Plüschtiere. Beides bleibt mit dem Namen der Stadt verbunden. 

Der politische Wechsel erfordert weiterhin ein Umdenken in vielen Köpfen. Die SPD war es jahrzehntelang gewohnt, Entscheidungen für die Stadt mit dem von ihr getragenen OB gemeinsam vorzubereiten und schließlich durchzusetzen. Die CSU wiederum sah sich in der Oppositionsrolle, auch wenn diese gelegentlich in der Kommunalpolitik relativiert wird. 

Neustadts neuer Mann an der Stadtspitze hat mit seiner Wahl die Weichen in die Zukunft neu gestellt. Die Aufgaben „Bau“ hat er in die Hände des Diplom-Ingenieurs (FH) Peter Sover (71) gelegt, der schon viele Jahre der SPD-Fraktion im Neustadter Stadtrat angehört und jetzt zugleich das Amt des Zweiten Bürgermeisters übertragen bekommen hat. CSU (7) und SPD (6) stellen in der neuen Legislaturperiode 13 von 24 Stadträten, verfügen mit dem Oberbürgermeister über eine knappe, aber solide Mehrheit. Damit lässt sich arbeiten, gestalten, modernisieren. 

Das Ergebnis der OB-Wahl in Neustadt im ersten Quartal ’26 stieß über die Region hinaus auf großes Interesse. Es „kam“ vor allem in München an. Wachablösung nach 31 Jahren – das glich einem politischen Erdbeben. Der neugewählte OB durfte sich über viele Glückwünsche freuen. nicht nur, aber besonders aus dem Lager der CSU. Ministerpräsident Dr. Markus Söder widmete ihm ein paar handgeschriebene Zeilen, Ilse Aigner, die Landtagspräsidentin verhielt sich ähnlich. Und Manfred Weber sandte aus dem Europäischen Parlament gute Wünsche und fügte ihnen seine persönliche Handynummer hinzu. 

Die Stadt Neustadt wird (auch) in Zukunft bei der Verwirklichung ihrer Projekte die Unterstützung von Bund und Land brauchen. Dominik Heike ist zuversichtlich, dass seine Gratulanten von jetzt die Förderer in Zukunft sein werden. 

Möglicherweise klopft er bei ihnen schon bald an. Denn Neustadts Aufgabenkatalog ist sehr umfangreich. Das Spektrum reicht von einer Veränderung des Arnoldplatzes („soll grüner werden“, Coburger Tageblatt) bis zur Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung. Die Themen gehörten alle zu dem Wahlversprechen Heikes, sie mit Mut und Entschlossenheit anzugehen. Am Arnoldplatz sind die Verantwortlichen bereits „dran“, dem Vorhaben „Gesundheitsnetzwerkwill man sich nach der Sommerpause zuwenden. 

Beim Kinderfestzug am „Nationalfeiertag“ in Neustadt bei Coburg: Zweiter Bürgermeister Peter Soyer, OB Dominik W. Heike und Dritte Bürgermeisterin Vera Weißbrodt (von links) zogen mit über 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durch die Innenstadt. Foto: privat. 

Unmittelbar vor dem Start in die Sommerpause feierte Neustadt sein traditionelles Kinderfest, das zwischen Rennsteig und Main längst ein Alleinstellungsmerkmal besitzt. Erstmals führten den Festzug Oberbürgermeister Dominik Heike (mit Amtskette, im dunklen Anzug, weißes Hemd, keine Krawatte) und seine beiden Stellvertreter Peter Soyer und Vera Weißbrodt an. In einem Gespräch hatte sich das Trio zur Teilnahme verständigt. Daraufhin lud der OB den gesamten Stadtrat ebenfalls dazu ein. Zehn von 24 reihten sich in den etwa 500 bis 600 Meter langen Festzug ein und absolvierten mit rund 1 400 Kindern, elf Kapellen und weiteren Teilnehmern die zirka 2,3 Kilometer lange Strecke durch Teile der Innenstadt. 

Nicht zu Fuß dabei war zum Beispiel Stadträtin Elke Protzmann (früher CSU, jetzt FW), die unter OB Frank Rebhan auch etliche Jahre Zweite und Dritte Bürgermeisterin war. Sie begründete am Rande des Stadtempfangs im Rathaus ihre Entscheidung mit den Worten: „Das ist ein Fest für Kinder!Dagegen wurde von vielen Festbesuchern die Beteiligung des OB und einiger Stadträte am Umzug als ein Zeichen von Wertschätzung gegenüber den Lehrkräften und den Schulkindern gewertet. 

Dominik Heike ließ schon im Wahlkampf erkennen, dass er in Sachen Bürgernähe einen anderen Stil pflegen möchte als ihn die Neustadterinnen und Neustadter bisher gewohnt waren. Im Stadtzentrum ebenso wie in den dörflichen Stadtteilen. 

Zum Dorffest in Plesten kam nicht nur der stolze Familienvater OB Heike mit Frau und seinem zweijährigen Sohn Paul W., auch seine beiden Stellvertreter erschienen mit Partner oder Familie. „Das haben wir 30 Jahre nicht erlebt“, kommentierten Ortseinwohner staunend. 

So ändern sich eben die Zeiten. Auch in Neustadt, wo in den letzten Wochen ein Neustart eingeleitet wurde. Am 8. August ist Dominik W. Heike, der in Coburg geboren und in Neustadt aufgewachsen ist, 100 Tage im Amt