Bürgerinitiative „Energiewende mit Vernunft“ legt nach

Infraschall: Offene Fragen ernst nehmen

Welche Auswirkungen können tieffrequente Schallwellen auf den Körper haben? Darüber sprach Dr. med. Ursula Bellut-Staeck im Jagdschloss/Haus des Gastes in Bad Rodach. Die Bürgerinitiative Energiewende mit Vernunft e. V. hatte zu dem Vortrag eingeladen. Besondere örtliche Bedeutung erhält das Thema durch die Windenergieplanungen im Grenzraum zwischen dem Bad Rodacher Stadtteil Heldritt und Hetschbach und Massenhausen (Gemeinde Straufhain/Thüringen).

Die Fachärztin für Allgemeinmedizin verfügt über Erfahrung in der Anästhesie, Notfall- und Intensivmedizin. Als wissenschaftliche Autorin beschäftigt sie sich insbesondere mit der Mikrozirkulation – der Durchblutung kleinster Gefäße, die unsere Gewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Dazu veröffentlichte Dr. Bellut-Staeck auch ein Fachbuch bei Springer.

Im Vortrag erläuterte Dr. Bellut-Staeck ihre These, dass bestimmte wiederkehrende Druckschwankungen die Regulation dieser Gefäße beeinflussen könnten. Sie stellte experimentelle Beobachtungen vor und erläuterte, weshalb aus ihrer Sicht mögliche biologische Wirkungen bei der Bewertung von Infraschall stärker berücksichtigt werden sollten.

Eine aktuelle Untersuchung unter ihrer Mitwirkung zeigte bei Mäusen unter definierten Laborbedingungen Veränderungen der rhythmischen Gefäßbewegungen. Die bislang als Preprint veröffentlichte Arbeit eröffnet weitere Forschungsfragen; gesundheitliche Schäden bei Anwohnern von Windenergieanlagen sind damit nicht nachgewiesen.

Auch die bereits diskutierte Untersuchung aus dem Raum Paderborn kam zur Sprache. Die Autoren berichten für Lichtenau gegenüber Delbrück zwischen 2021 und 2024 eine um 20 bis 68 Prozent höhere Rate neu diagnostizierter Herzinsuffizienz. Diese statistischen Unterschiede verdienen eine genaue Untersuchung, belegen für sich allein jedoch keinen ursächlichen Zusammenhang mit Infraschall.

Besondere Aufmerksamkeit widmete die Referentin den Arbeiten des schwedischen Forschers Ken Mattsson. Seine Modelle untersuchen die Schallausbreitung unter Berücksichtigung von Gelände und atmosphärischen Bedingungen. Gerade für einen Landschaftsraum mit mehreren geplanten Windenergiegebieten ist eine solche räumliche Gesamtbetrachtung von Interesse.

Für Heldritt, Hetschbach und Massenhausen stellt sich damit eine gemeinsame Frage: Wie werden die möglichen Belastungen durch die bayerischen Vorranggebiete und das benachbarte thüringische Gebiet W-35 „Hohe Wart“ zusammen bewertet? Die Menschen leben in einem zusammenhängenden Landschaftsraum. Ihre Wohn- und Erholungsqualität muss deshalb auch über die Landesgrenze hinweg betrachtet werden.

Aus Sicht der Bürgerinitiative Energiewende mir Vernunft, die den Vortrag ausgestaltete, braucht es nachvollziehbare Untersuchungen und verständliche Antworten auf die Fragen der Bevölkerung. Neue Forschungsansätze sollten sorgfältig geprüft, offene Fragen transparent benannt und gesundheitliche Vorsorge in die Entscheidungen einbezogen werden.