Der grosse Neuwagen-Katalog für Deutschland
Auch wenn die Zulassungen von Elektrofahrzeugen in Deutschland prozentual gesehen mit einem knappen Drittel einen Höchststand erreicht haben (im Juli 29,3 Prozent), bewegt sich die Nachfrage nach den staatlichen Fördermitteln auf einem überraschend niedrigen Niveau. Redakteur Uli Holzwarth beziffert den abgerufenen Anteil aus dem seit Mai mit satten drei Millionen Euro bestückten Topf auf weniger als 20 Prozent, obwohl Vater Staat bis zu 6.000 Euro an Steuergeldern als sozial gestaffelte Kaufprämie zuschießt.
In seinem Editorial im frisch erschienenen Autokauf-Neuwagenkatalog Herbst 2026 kritisiert der Fachredakteur des herausgebenden Motor Presse Verlags allerdings die Richtlinien für die Vergabe des Geldsegens. So kommen nämlich unter gewissen Bedingungen auch Käufer von sündhaft teuren Luxusfahrzeugen in den Genuss des von der Allgemeinheit erwirtschafteten Steuersegens, wobei nach Aussage von Uli Holzwarth „solvente Käufer mithilfe von Strohmännern“ Grauzonen in den gesetzlichen Vorgaben schamlos ausnützen.
Im Gegensatz zu manchen früheren Katalogen finden sich auch in der Herbst-Ausgabe wieder eine Reihe von Fahrberichten, in denen Neuerscheinungen vorgestellt werden. Testredakteur Jens Dralle lobt beispielsweise Komfort und Dynamik der dritten Generation des Audi Q7, der in Deutschland ausschließlich mit einem Sechszylinder-Turbodiesel angeboten wird, stört sich allerdings am happigen Preis des SUV. „Viel Alltagsnutzen und Ausstattung zum günstigen Preis“ attestiert sein Kollege Jörn Thomas dem neuen Kia Seltos.
Redakteur Sascha Wölfel stellt den neuen Leapmotor B05 vor, der in der elektrischen Kompaktklasse zum Angriff bläst. Allerdings greift in seinem Bericht die Kritik an der völlig übertriebenen Bedienung des Chinesen über den Berührungsbildschirm etwas zu kurz. Diese reicht nämlich von der Klimatisierung bis hin zu den Fahrzeugeinstellungen für Antrieb, Lenkung oder anderen Profilen, was sich zum Teil aber nur im Stand vornehmen lässt. Sogar für das Justieren der Außenspiegel oder das Öffnen und Schließen des elektrischen Sonnenschutzes für das Panoramadach bei der Top-Ausstattung ist eine Reise durch die Menüs auf dem Berührungsbildschirm nötig, Ablenkung vom Verkehrsgeschehen inklusive. Bei nur fünf Sekunden Blickkontakt auf das Display sind das allein bei innerstädtischem Tempo stattliche 70 Meter „Blindflug“, genug, um ein plötzlich auf die Straße laufendes Kind zu übersehen.
Ausführlich widmet sich Redakteur Clemens Hirschfeld dem neuen Volvo EX60. Allein schon seine Bemerkung, dass es für den elektrischen Mittelklasse-SUV keinen Schlüssel mehr gibt und der Wagen ausschließlich mit Hilfe eines speziellen Mobiltelefons zugänglich ist, sollte für jeden potentiellen Käufer Grund genug sein, die Finger von dem skandinavischen Chinesen zu lassen.
Wie bereits seit einer gefühlten Ewigkeit glänzt der Neuwagen-Katalog mit den wie immer umfassenden Daten und Informationen zu insgesamt 1.700 Fahrzeugen. Sinnvollerweise sind diese strikt getrennt nach E-Modellen auf der einen sowie Fahrzeugen mit reinem Verbrennermotor, als Mild- und Vollhybride sowie als Plug-in Hybrid-Versionen auf der anderen Seite. Bei einigen wenigen Modellen wird neben der in den Fahrzeugpapieren aufgeführten Breite auch die Angabe einschließlich der Außenspiegel aufgeführt.
Diese Information erscheint für die Mehrzahl der Nutzer sicherlich wichtiger und interessanter als beispielsweise Dach- oder Stützlast, die wohl eher bei einer kleinen Minderheit der Autofahrer im Alltag eine Rolle spielen dürften. Gerade angesichts der fast schon inflationären Anzahl an Baustellen auf den deutschen Autobahnen ist aber die Fahrzeugbreite ein mitunter sicherheitsrelevanter Wert. Denn wenn ein derartiger Engpass ansteht und die Überholspur mit maximal 2,00 Metern befahren werden darf, hat sich beispielsweise ein aktueller VW Golf generell auf der rechten Bahn zwischen den Lkw einzuordnen.
Autokauf. Der große Neuwagen-Katalog für Deutschland. Herbst 2026, herausgegeben von der Redaktion „Auto, Motor und Sport“, 258 Seiten mit rund 600 Abbildungen, Format 17,5 x 25,5 cm, broschiert, Verlag Motor Presse (Stuttgart), 9,50 Euro, ISBN: 978-3-613-32265-3.
Thomas G. Zügner