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MdL Michael Busch will nicht mehr

Parteiaustritt nach 43-jähriger Partnerschaft

Also doch: Michael Busch kehrt der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands den Rücken. Mit 22 Jahren ist er den „Roten“ beigetreten, mit 65 Jahren sagt er ihnen „ade“. Dazwischen liegen mehr als vier Jahrzehnte bewegtes politisches Leben, mit bemerkenswerten Erfolgen und bitteren Niederlagen. Umstritten war der Politiker Busch wohl nie. Sein Rückzug hat unterschiedliche Reaktionen in den sozialen Medien ausgelöst.

Seit der Mann aus Friesendorf und unterdessen zum Wahl-Coburger geworden, dem Bayerischen Landtag angehört, wirkt er auf sein Umfeld höchst unzufrieden. Aus seiner Enttäuschung über mangelndes Vertrauen untereinander und über das nach seiner Ansicht oftmals unproduktive Handeln in und durch die Landtagsfraktion der SPD, hat Michael Busch in den letzten vier Jahren nie ein Hehl gemacht.

Noch liegt ein knappes Jahr Zugehörigkeit zum Bayerischen Landtag vor ihm. Dieses will er sich auch – zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt – nicht streitig machen lassen, auch wenn es erwartungsgemäß die Forderung gibt, er möge das Mandat an die SPD zurückgeben. Busch will auch als fraktionsloser Abgeordneter, so ist seiner umfangreichen Erklärung vom 30. September zu entnehmen, für die Menschen im Stimmkreis Coburg Anwalt ihrer Interessen in München bleiben.

Denn: Die Sozialdemokratische Partei auf Kreisebene hat ihm 2017/18 die Kandidatur für den Bayerischen Landtag regelrecht aufgedrängt. Aus der sicheren Position des Coburger Landrates heraus, hat Busch die Herausforderung angenommen. Die SPD hat ihr Verlangen teuer bezahlt. Seit Februar 2019 besetzt den Landratssessel mit Sebastian Straubel nämlich erstmals ein CSU-Mann. Und Michael Busch hat es wohl seither mehr als einmal bereut, dem Drängen seiner „Freunde“ nachgegeben zu haben.

In der Kommunalpolitik wie in Parteikreisen galt Michael Busch als Stehaufmännchen. In Ebersdorf hat er mehrfach Erster Bürgermeister werden wollen, ergebnislos. Auch der Einzug in den Bezirkstag von Oberfranken blieb ihm verwehrt und manches andere Amt. Doch einem Triumph glich sein Wahlerfolg bei der Landratswahl im Jahr 2008. Zwei Gegenkandidaten drängte er aus dem Rennen, am Ende sogar einen bayerischen Staatssekretär.

In der Partei war Busch viele Jahre umstritten. Aber immer wieder „raufte“ er sich mit seinen Kontrahenten zusammen, wurde die Zusammenarbeit erneut aufgenommen und fortgeführt. Diese Möglichkeit sah er jetzt in der SPD-Landtagsfraktion nicht mehr gegeben. Busch zog die Reißleine.

Nach zwei schlaflosen Nächten traf er seine Entscheidung. Nacheinander wurden Fraktionsvorsitzender Florian von Brunn, Stefan Sauerteig (Kreisvorsitzender Coburg-Stadt) und Carsten Höllein (Vorsitzender Coburg-Land) informiert. Früher als dieser Kreis es wollte, drang die Nachricht – auf welchem Wege auch immer – an die Öffentlichkeit.

Ob und wie das Ende der 43-jährigen Partnerschaft zwischen SPD und Michael Busch den Wahlkampf in den nächsten Monaten beeinflussen wird, bleibt abzuwarten. Stefan Sauerteig, der nach dem Willen der Coburger SPD Michael Busch als Landtagsabgeordneter beerben soll, reagierte jedenfalls gelassen. Die Entscheidung Michael Buschs „trifft mich weder in meiner politischen Grundüberzeugung, mich für eine sozial gerechtere Welt einzusetzen, noch in der Motivation mich mit vollem Einsatz dieser anstehenden Landtagswahl zu stellen“, heißt es in einem Statement des 34-jährigen Hoffnungsträgers. Carsten Höllein war für uns bis Redaktionsschluss für diese Ausgabe nicht erreichbar.

Horst Mitzel

Siehe auch „Tagebuch“ an anderer Stelle.