Narren in Bad Rodach begeistern bayernweit 

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Narren in Bad Rodach begeistern bayernweit

„Franken Helau“ erhält mehr Zuspruch als „Jetzt red‘ i“ mit Markus Söder

595.ooo Zuschauerinnen und Zuschauer haben bayernweit nach Angaben des Bayerischen Rundfunks (BR) am Freitag, 19. Januar die Fernsehaufzeichnung „Franken Helau“ aus der Gerold-Strobel- Halle in Bad Rodach an ihrem Bildschirm verfolgt. Das entspricht einem Marktanteil von 14,8 Prozent. Es waren, im Vergleich zur Ausstrahlung von „Jetzt red‘ i“ zwei Tage vorher, 154.000 mehr. Für die Live-Sendung, bei der Bürgerinnen und Bürger Fragen an den bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder (CSU) richten konnten, interessierten sich 441.ooo Menschen, was einem Marktanteil von 1o Prozent gleichkommt.

Bad Rodach, was willst du mehr?  Innerhalb von 48 Stunden kostenfrei ein Millionenpublikum zu erreichen, ist ein tolles Ergebnis. Nicht nur für Bad Rodach! Verstanden?

Was die Zahlen für „Franken Helau“ betrifft, sind diese mehreren Faschings- und Karnevalsvereinen aus Coburg-Stadt und -Land gutzuschreiben. Sie sind der Lohn für zwei großartige Veranstaltungen im November ’23 in der Halle, deren Höhepunkte in den Wochen danach im Fernsehstudio in München zusammengefasst und schließlich in einer Aufzeichnung ausgestrahlt wurden.

Die Leistungen der Akteure ist umso höher zu bewerten, als sie sich ehrenamtlich für Frohsinn und gute Laune engagieren. Sie legten den Beweis vor, dass sie sich durchaus mit anderen Faschingshochburgen in der Bundesrepublik messen können.

Das weite Echo sollte das Selbstbewusstsein der Aktiven stärken. Jahrelang hatten sich die Vereine gescheut, ihr Angebot einem breiten Fernsehpublikum anzubieten.

Für „Franken Helau“ wird jährlich im Wechsel ein „närrischer Ort“ in den drei fränkischen Regierungsbezirken ausgewählt. Jetzt wagten sich die Narren aus der Region endlich nach vorn – und beeindruckten mit Tanz, Büttenreden und Musik.

Ursprünglich wollte die SÄRASPO in Frohnlach die Rolle des Hausherrn übernehmen. Doch die Kultur- und Sporthalle im Ebersdorfer Gemeindeteil ließ dies nicht zu; sie ist aus Sicherheitsgründen gesperrt. Dank des Sitzungspräsidenten der Faschingsgesellschaft Bad Rodach, Herbert Müller (73), wurde rasch die Gerold-Strobel-Halle als Ausweichstätte vom BR und vom Fastnacht-Verband Franken akzeptiert. Die Initiative hat sich gelohnt. Respekt!

Es sind Jahrzehnte vergangen, seit der Name Bad Rodach so werbetauglich in der Medienlandschaft Platz genommen hat, wie jetzt durch „Franken Helau“ geschehen. Es gilt nicht nur die Einschaltquote beim Fernsehen zu berücksichtigen. Auch in etlichen (überregionalen) Tageszeitungen und Fernseh-Zeitschriften erschien in deren Programm-Vorschau der Name Bad Rodach. Es lohnt sich also, die Auflagenzahlen der Printmedien mit den Zuschauerinnen- und Zuschauerzahlen des Fernsehens hinzuzurechnen.

Und das im 25. Jahr der Anerkennung Rodachs als „Bad“! Was sind aber die Gründe dafür, dass die Verantwortlichen der Stadt die Jubiläumszahl „25“ eher verschweigen als diese in den Mittelpunkt ihres Handelns zu rücken ?

Gewiss, 25 Jahre Badanerkennung ist im Vergleich zu „1125 Jahre (Bad) Rodach“ ein winziges Mosaiksteinchen in der Geschichte des erstmals im Jahr 899 erwähnten „Radaha“. Aber die für die Zeit von Donnerstag, 30. Mai, bis Sonntag, 2. Juni, des laufenden Jahres angekündigte Jubiläumsfeier kann sich wahrscheinlich mit den Festveranstaltungen in den Jahren 1949, 1974 und 1999 nicht vergleichen. Damals wurde mit Herzblut vorbereitet und durchgeführt, diesmal ist davon zumindest bis jetzt nichts zu spüren. Und das drei Monate vor dem sogenannten Fest-Wochenende.

Markus Söder und die Förderanträge der Rodacher Wirtschaft

Jetzt ein Rückblick auf „Jetzt red‘ i“. Diese Sendung („Bürger für Bürger“) gibt es seit über fünf Jahrzehnten. Als der Wirtshausdiskurs am 31. März 1976 erstmals in Rodach aufgezeichnet wurde, war es der 42. seiner Art mit Carolin Reiber, Franz Schönhuber und Franz Stefani. Das Trio vervollständigte Heinz Burghart. Wenige Wochen vor Eröffnung des Thermalbewegungsbades, wie die Einrichtung am „Schleichersberg“ mit „Nordbayerns einziger Therme“ lange Zeit genannt werden konnte, war „Jetzt red‘ i“ ein willkommener Gast, der den Namen Rodachs in viele Wohnstuben trug.

Jahrelang gab es in Rodach einige weitsichtige Bürger, die den Kontakt zum Fernsehteam an der Isar pflegten. Einer von ihnen war der Plüschspielwarenfabrikant Walter Kienel, später auch einer der Freizeit-Nachtwächter. Vor allem der unterdessen aufgelöste Fremdenverkehrsverein Rodach und Umgebung (später Kur- und Tourismusverein) wusste das BR-Team immer wieder für Rodacher Themen zu interessieren. „Jetzt red‘ i“ kam einige Jahre später noch einmal nach Rodach, als die „Stadt im toten Winkel“ sorgenvoll registrierte, wie eine Therme nach der anderen in Franken und anderswo aus dem Boden schoss. Wieder war es der Fremdenverkehrsverein, der dem Fernsehen dies zu danken wusste. Nach dem Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Josef Ertl (die „Grüne Woche“ lässt grüßen), erhielten Franz Stefani & Co. die „Rodacher Pfingstrose in Gold“. Ein Eintrag im „Goldenen Buch“ der Stadt erinnert noch daran.

Nun also war „Jetzt red’i“ nach mehrjähriger Pause wieder im Coburger Land. Zuletzt gastierte das Team mit Dietmar Gaiser an der Spitze am 28. Juni 2000 in Weidhausen. In den 20 Jahren zuvor waren – neben Rodach – Neustadt, Rödental und Seßlach Gastgeber für diesen Wirtshausdiskurs.

Das Format von „Jetzt red’i“ wurde vor etwa 15 Jahren grundlegend verändert. Die Wirtshausatmosphäre, zu der pro Gast ein Freibier ebenso gehörte wie eine zünftige Blasmusik (Roßfelder Musikanten und andere), ist Vergangenheit. Jetzt wirkt die Live-Sendung (früher Aufzeichnung) überaus nüchtern.

In Bad Rodach war Ministerpräsident Dr. Markus Söder zu Gast. Bürger konnten Fragen an ihn richten, nicht aber mit ihm diskutieren. Der erste in der Runde war Markus Geflitter, Vorsitzender des Betriebsrates der Firma Valeo. Für Außenstehende war es eine Überraschung, dass er ein Anliegen der Unternehmensleitung vortrug, für Insider nicht. Geflitter, auch Mitglied der SPD-Fraktion im Bad Rodacher Stadtrat, verwies auf einen in München vorliegenden Förderantrag von Valeo. Die Entscheidung darüber betreffe Valeos Zukunftsperspektiven in Bad Rodach, so der Fragesteller.

Noch steht eine Antwort der bayerischen Staatskanzlei aus, genauso wie die des Wirtschaftsministeriums. Aber Markus Söder wolle sich darum kümmern… Zumindest das hat er versprochen.

Mit Förderanträgen aus Bad Rodach hat der bayerische Ministerpräsident so seine eigenen Erfahrungen. Nicht jeder bewilligte Zuschuss des Freistaates Bayern in den letzten zwei Jahren hatte auch die Auszahlung des Förderbeitrages zur Folge.

Markus Geflitters Frage war zugleich auch die bemerkenwerteste des Abends. Auf jeden Fall die wichtigste für Bad Rodach.

Früher hat „Jetzt red’i“ in einer Bilanzsendung am Jahresende die Fragen beantwortet, welche Probleme dank seiner Berichterstattung und eventueller zusätzlicher gründlicher Redherche einer Lösung zugeführt wurden.

Wird diese Information jetzt dem „Landesvater“ überlassen ?