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Redaktionsgespräch mit Henry Schramm

„Bezirke in Bayern sind unverzichtbar“

Herr Schramm, ist der Bezirkstag von Oberfranken aus Ihrer Sicht unverzichtbar?

Bezirkstagspräsident Henry Schramm: Der Bezirk Oberfranken ist vor allem für diejenigen Menschen da, die weniger Glück in ihrem Leben haben – ältere, psychisch kranke oder behinderte Menschen. Und gerade die brauchen Institutionen, die ihnen helfen und sich um sie kümmern. Diese Hilfe kann der Bezirk leisten: Mit hochspezialisierten Gesundheitseinrichtungen, mit qualifiziertem Personal und mit umfangreichen finanziellen Leistungen für Bedürftige. Derart umfangreiche Tätigkeiten können aus meiner Sicht nur die Bezirke als dritte kommunale Ebene erbringen, und in diesem Sinne halte ich sie auch für unverzichtbar.

Welche Projekte haben Sie in der zu Ende gehenden Legislaturperiode angestoßen?

Wir haben viele Projekte angestoßen – allein unser aufgelegtes Bauprogramm für die kommenden Jahre umfasst mehr als 500 Millionen Euro. Im Frühjahr dieses Jahres konnten wir eine deutschlandweit einzigartige geschlossene TBC-Station eröffnen. Hier werden uneinsichtige TBC-Kranke aus dem gesamten Bundesgebiet behandelt.

Genauso habe ich beispielsweise dafür gekämpft, die Tarifbezahlung aller Beschäftigten in den Kliniken des Bezirks endlich konsequent durchzusetzen – dies war längst überfällig.

Auf welche erledigten Aufgaben seit 2018 kann der Bezirkstag stolz sein?

Auch hier könnte man Vieles nennen, ich greife zwei Projekte heraus: Der sogenannte Krisendienst wurde etabliert und läuft seit mittlerweile 15 Monaten sehr erfolgreich. Über 700 Menschen wenden sich Monat für Monat an diesen Dienst und erhalten dort vertrauliche, schnelle und vor allem unbürokratische Hilfe in schweren Lebenslagen. Der Krisendienst hilft diesen Menschen nicht nur, sondern hilft häufig auch, einer Eskalation vorzubeugen – beispielsweise bei Fällen häuslicher Gewalt oder der Entwicklung von Depressionen.

Im kulturellen Bereich bin ich sehr dankbar, dass wir 2021 den neuen Konzertsaal in Haus Marteau in Lichtenberg eröffnen durften. Dieser Konzertsaal der internationalen Spitzenklasse ist ein Beitrag dazu, auch in ländlichen Regionen ein qualitativ hochwertiges kulturelles Angebot zu schaffen – dies darf kein Privileg der Ballungsräume sein, und ich kämpfe als Bezirkstagspräsident natürlich auch für die Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen in Oberfranken.

Welche Einrichtungen in den Landkreisen Coburg, Kronach und Lichtenfels sowie in der Stadt Coburg wurden vom Bezirk Oberfranken in den Jahren 2019 bis 2022 nennenswert gefördert?

Folgende Einrichtungen haben wir in den vergangenen Jahren gefördert:

Landkreis Coburg

  • Berufsfachschule für Musik und Sing- und Musikschulwerke Oberfranken in Coburg jährlich mit etwa 700.000 Euro (Sitz in Coburg, Träger ist der Landkreis)
  • Zweckverband Museen im Coburger Land mit jährlich rund 107.000 Euro

Stadt Coburg

  • Landestheater Coburg 200.000 Euro
  • Mitgliedschaft im Coburger Designforum Oberfranken 1.000 Euro

Landkreis Kronach

  • Spitzenklöppelschule Markt Nordhalben, jährlich 5.730 Euro
  • Ökologische Bildungsstätte Mitwitz, jährlich 10.000 Euro
  • Landratsamt Kronach: Projekte im Kreiskulturring,  jährlich 30.000 Euro
  • Rosenberg Festspiele 35.000 Euro (2022)

Landkreis Lichtenfels

  • Musiksommer Obermain  6.400 Euro (bis 2020)
  • Colloquium Historicum Wirsbergense, jährlich 2.200 Euro
  • Leuchsentaler Blasmusik Lichtentels, 1.000 Euro (2020)

Wie oft im Jahr tagt der Bezirkstag? Welche Kosten fallen dafür an?

Der Bezirkstag von Oberfranken tagt viermal im Jahr. Die Kosten lassen sich nicht explizit darstellen, da es immer darauf ankommt, wie viele Bezirkstagsmitglieder bei der Sitzung persönlich anwesend sind.

Möchten Sie auch nach der Wahl 2023 hinaus wieder dem Bezirkstag von Oberfranken angehören und wieder Präsident werden?

Ja, ich möchte wieder dem Bezirkstag von Oberfranken angehören.  Wer der neue Präsident wird, entscheidet dann der neu gewählte Bezirkstag.

Das Amt des oberfränkischen Bezirkstagspräsidenten ist ein Ehrenamt. Soll dies Ihrer Meinung nach so bleiben oder empfehlen Sie, das Präsidentenamt von der Legislaturperiode 2023 an hauptamtlich zu besetzen?

Ich bin zufrieden, so wie es ist.

Die Fragen stellte Horst Mitzel.