
Kandidaten stolpern auf dem Weg zur Kommunalwahl am 8. März
Welche Ziele setzen sich die Frauen und Männer in den Städten und Gemeinden des Freistaates Bayern, die sich zur Kandidatur für das Amt des Landrates, Oberbürgermeisters und Bürgermeisters bei der Kommunalwahl am Sonntag, 8. März, entschlossen haben? Für welche Aufgaben wollen sich alle engagieren, die das Ehrenamt als Kreisrat, Stadtrat oder Gemeinderat anstreben?
Zumindest aus den bisher vorliegenden Werbeanzeigen und Flyer der verschiedenen Parteien und politischen Gruppen im Coburger Raum ist dazu wenig Konkretes zu erfahren. Umso mehr erhalten in diesem Zusammenhang zehn Forderungen des VdK Bayern Aufmerksamkeit; am dringendsten erscheint dem Sozialverband die Schaffung von Barrierefreiheit in Arztpraxen, die er jetzt einmal mehr in den Fokus rückt.
Nach Angaben des VdK erfüllen nämlich nur 39 Prozent der ambulanten Arztpraxen im weiß-blauen Freistaat mindestens eine Bedingung zur Barrierefreiheit. Und wie ist die Situation in Stadt und Land Coburg?
Schon vor knapp zwei Jahren haben wir den heimischen Landtagsabgeordneten Martin Mittag (CSU) damit konfrontiert. Was hat der Volksvertreter seither unternommen, um das Problem lösen zu helfen? Es gibt noch immer etliche Hausarzt- und Facharztpraxen in Dörfern und Städten, die oftmals nur über krächzende Holztreppen von anno dazumal erreicht werden können. Für etliche ältere oder/und behinderte Menschen ist der Gang zum Arzt nicht selten eine kaum noch vertretbare Zumutung. Eine Investition in Lifte und Personenaufzüge weisen die Verantwortlichen vielerorts weit von sich.
Martin Mittag gehört dem 18-köpfigen Ausschuss für Gesundheit, Pflege und Prävention im Bayerischen Landtag an. Die Probleme in seinem Stimmkreis sollte er kennen, sie sollten für ihn zugleich eine besondere Herausforderung sein.
Jetzt kandidiert Martin Mittag wieder für den Coburger Kreistag, auf ein weiteres Stadtratsmandat in seinem Heimatort Seẞlach verzichtet er – wohl aus guten Gründen.
„Ausbau von Barrierefreiheit bestehender Krankenhäuser und Arztpraxen voranbringen“ – so lautet die unmissverständlich klingende Forderung des VdK. Was sagen die Behindertenbeauftragten in der Region dazu? Bemühen sie sich im Verbund mit den Seniorenbeauftragten in den einzelnen Kommunen um eine zeitnahe Verbesserung?
Gefragt dazu sind viele Mandatsträger und solche, die es werden wollen. Zum Beispiel die Senioren-Union – soweit es diese CSU-Organisation im Coburger Land und in Oberfranken überhaupt noch geben sollte. Von sich reden gemacht hat sie jedenfalls schon lange nichts mehr…
Und hat nicht die SPD das Wort „Sozial“ in ihrem Namen, das eigentlich verpflichtend für sie sein sollte? Vor allem gegenüber Menschen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen.
Der Seniorenbeauftragte des Landkreises Coburg, Dr. Wolfgang Hasselkus (Rödental), nutzt in unregelmäßigen Abständen verschiedene zwischen Röden und Itz erscheinende Gemeindeblätter, um der älteren Generation Tipps für den Alltag zu geben. Kürzlich empfahl er ihnen, sich einen kleinen Schlüsseltresor anzuschaffen und ihn an der Wand neben der Eingangstür anzudübeln. „Die Kosten dafür sind erstaunlich gering und liegen um 25 Euro. Sie finden Angebote im Internet“, schrieb Dr. Hasselkus. Gut so. Aber wäre es nicht besser gewesen, Dr. Hasselkus hätte als Kreispolitiker zuallererst den heimischen Fachhandel ins Gespräch gebracht?
Wenn schon der CSU-Landes-Kreis- und Stadtpolitiker Mittag sich in der Frage der Verbesserung zu Erreichbarkeit von Arztpraxen passiv verhält, dann sollte eben der Seniorenbeauftragte des Landkreises – ein Sozialdemokrat – die Initiative ergreifen. Noch dazu als verdienstvoller und langjährig tätiger Mediziner.
Der Landkreis Coburg hat aber auch eine Behindertenbeauftragte: Renate Schubart-Eisenhardt (CSU) aus dem Seßlacher Stadtteil Setzelsdorf. Auch ihre aktive Mitwirkung ist besonders gefragt. Wie stark wird ihre Arbeit in der Union geschätzt und unterstützt? Auf der Kandidatenliste zur Kommunalwahl im März erscheint ihr Name auf Platz 17 (von 60). Renate Schubart-Eisenhardt weiß um ihre Aussichten auf Erfolg am 8. März. Als ein Zeichen für ihre realistische Einschätzung kann wohl ihr Entschluss gewertet werden, selbst für sich zu werben und das obligatorische Bemühen um Wählerstimmen durch die Partei zu ergänzen. Im „Bürgerblatt“, Ausgabe Februar, das vor allem in Neustadt und Umgebung erscheint, heißt es in einem von ihr geschalteten Inserat: „Wenn SIE möchten, dass ich weiterhin krativ, innovativ und engagiert für Sie arbeite, geben Sie mir ihre Stimme.“ Wie fällt ihre Leistungsbilanz über die letzten sechs Jahre aus?
Legt Sebastian Straubel eine Leistungsbilanz vor?
Auf eine Leistungsbilanz des seit Februar 2019 amtierenden Landrates Sebastian Straubel (CSU) warten noch viele Wähler. Noch interessanter wäre wohl zu erfahren, welche Vorhaben Sebastian Straubel im Falle seiner Wahl anschieben und schließlich in der nächsten Legislaturperiode mit besonderer Intensität realisieren möchte. Für viele Beobachter – auch in den eigenen Reihen – ist es unverständlich, dass seine abermalige Nominierung vor einigen Wochen für das höchste politische Amt des Landkreises Coburg über die Bühne gehen konnte, ohne dass der Unionspolitiker einen, geschweige mehrere Projekte nannte, für die er sich in seiner zweiten Amtszeit besonders einsetzen möchte. Selbst bezeichnet sich Sebastian Straubel als die „Stimme der Region“. Doch dafür braucht diese Stimme erst ein „Gehirn“. Das sollte der Landkreis, das heißt, sein Landrat sein.
Wie schon 2019 bekommt es der Amtsinhaber mit mehreren Mitbewerbern zu tun, exakt sind es drei. Dass vor allem die SPD keinen qualifizierten Nachwuchs ins Rennen schicken kann, verdeutlicht die Kandidatur ihres 51-jährigen Kreisvorsitzenden Carsten Höllein für die Position des Landrates. Monate-, manche sagen jahrelang, waren die Sozialdemokraten auf der Suche nach einem Bewerber – ergebnislos.
Carsten Höllein, einer der noch wenigen Parteisoldaten, der sich vor allem in etlichen Ehrenämtern engagiert, hatte am Ende wohl keine andere Möglichkeit, als selbst den Hut in den Ring zu werfen. Das lange Zeit anhaltende Gerücht, Bad Rodachs Bürgermeister Tobias Ehrlicher könnte den Mut aufbringen, gegen den CSU-Landrat anzutreten, rang Insidern längst nur ein müdes Lächeln ab. Ehrlicher war zwar anfangs gefragt worden, wie auch andere, doch Lust und Ehrgeiz sind ihm auch dabei fremd geblieben. Seinen absoluten Verzicht hat er frühzeitig kommuniziert; er blieb – aus angeblich taktischen Gründen – monatelang ein streng gehütetes „rotes Geheimnis“.
Carsten Höllein ist mit viel Elan gestartet. In persönlichen Gesprächen mit Genossen und deren Anhängerschaft sagt er, „wofür ich als Landrat stehe“. Der in Gemünda beheimatete Sozialdemokrat will „Verantwortung übernehmen – heute für morgen“. Das Coburger Land brauche eine Führung, „die vorbereitet ist, wenn es schwierig wird“. In den folgenden Worten könnte ein Hauch von Kritik an seinem Gegenkandidaten aus dem Unionslager enthalten sein: „Ich stehe für eine Politik, die vorausschauend handelt, klar entscheidet und den Landkreis krisenfest aufstellt aus Verantwortung für unsere Heimat.“
Für Carsten Höllein geht es auch darum, mit seinen Parteifreunden ein respektables Ergebnis bei der Kreistagswahl einzufahren. Vorbei sind längst die Zeiten, als die SPD fast die absolute Mehrheit des 60-köpfigen Gremiums erreichte.
Als die Sozialdemokraten noch den Landrat stellten – seit Ende des Zweiten Weltkrieges bis Anfang 2019 Rudolf Kaemmerer, Dr. Klaus Groebe, Helmut Knauer, Karl Zeitler und Michael Busch – gingen die Genossen mit den Amtsinhabern und dessen Verwaltung zeitweise weitaus kritischer um als in den vergangenen sieben Jahren mit dem „Schwarzen aus dem Lautertal“.
Dafür muss es doch Gründe geben. Eingeweihte wollen schon bei der personellen Besetzung der stellvertretenden Landräte – Martin Stingl, SPD und Christian Gunsenheimer, FW – Ansätze für einen gewissen Deal erkannt haben.
Das Stühlerücken zur „Halbzeit“ blieb aus
Dass zur „Halbzeit“ der Legislaturperiode in der einen oder anderen Kreistagsfraktion kein Stühlerücken erfolgte, was anfangs geplant war, gilt für einige Beobachter als ein weiterer Beleg „für das gute Einvernehmen“ zwischen bestimmten Mandatsträgern über Parteigrenzen hinweg.
Einer fühlte sich in der SPD-Kreistagsfraktion schon längere Zeit nicht wohl: Martin Finzel, Bürgermeister der Gemeine Ahorn, parteilos. Am 9. Oktober vorigen Jahres, also als die meisten Vorbereitungen auf die Wahlen im März ’26 anliefen, machte der 47-Jährige seine Trennung von der Landkreis-SPD zum Ende der Legislaturperiode offiziell. In Ahorn aber führt der strebsame Kommunalpolitiker die Kandidatenliste von SPD/Grünen und Freien Wählern erneut an, sie wiederum empfehlen den Wählern dessen Wiederwahl als hauptamtlicher Bürgermeister, dessen Aufgabe er seit 2008 erfüllt.
Für den Kreistag kandidiert Martin Finzel nunmehr auf der Liste der Freien Wähler. Vor sechs Jahren holte er über 5.000 Stimmen und wurde auf der SPD-Liste vom neunten auf den dritten Platz vorgewählt. Dieser Stimmenanteil kam auch der SPD zugute. Nicht alle in seiner Umgebung haben den Wahlerfolg dies dem quirligen wie ebenso gerne im Rampenlicht stehenden Dorfbürgermeister gegönnt.
Von der Kreisebene noch einmal ein kleiner Ausflug an die Landesgrenze zu Thüringen, nach Bad Rodach. Dort bewirbt sich neben Tobias Ehrlicher auch das weibliche Geschlecht um das Amt des Ersten Bürgermeisters: Nicole Kreußel, Architektin und ehemals Stadträtin in Hildburghausen. Sie wird von der ÖDP ins Rennen geschickt. Ihr ist gelungen, was CSU und Freie Wähler nicht erreicht haben: eine Alternative zum Ersten Bürgermeister Tobias Ehrlicher anzubieten.
„Mehr Frauen in die Politik“ ist seit Jahren eine Forderung, die immer wieder erhoben wird. Mal sehen, ob die ÖDP-Kandidatin beim Wahlvolk ankommt. Noch ist sie weiten Kreisen unbekannt; auch an ihrem Wohnort Heldritt.
Im Sommer 2025 hat die CSU Bad Rodach voller Stolz die Nachricht publiziert, dass der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde Meeder, Michael Kunz (FW), auf ihrer Kandidatenliste am 8. März erscheinen wird. Dazu kommt es auch. Auf Platz 10. Also erst im Mittelfeld. „Ich habe von Anfang an erklärt“, gibt sich Michael Kunz völlig entspannt am Telefon, „keinen Anspruch auf einen der vordersten Plätze zu erheben“. Nach jahrelanger politischer Abstinenz macht es ihm Spaß, sich wieder aktiv – zudem seit Dezember ’25 CSU-Mitglied – an einem Wahlkampf zu beteiligen. Bei Veranstaltungen der Union wird der Kandidat oftmals gesehen; er sucht das Gespräch mit den Menschen.
Wenn die Enkel ihren Opas Möbus und Püls (nicht) folgen …
Begegnungen mit den Menschen suchen und pflegen in der Familie Möbus in Bad Rodach gleich mehrere politisch Interessierte an der Stadtratswahl. Vater Rainer – derzeit Zweiter Bürgermeister – kandidiert wieder für den Stadtrat (Zukunftsforum/Freie Wähler) und den Coburger Kreistag (FW). Der Jüngste, Sohn Gabriel, hofft, über die ULB (Unabhängige Landkreis Bürger) in den Kreistag einziehen zu können.
Schwiegertochter Dr. Rebecca Möbus erscheint mit ihrem Namen bei den Grünen auf der Kandidatenliste für den Stadtrat. Anders sieht es bei der Familie Püls (ebenfalls Bad Rodach) aus. Heinrich-Adam Püls, jahrzehntelang bei der Union, für sie viele Jahre im Stadtrat und zeitweise Dritter Bürgermeister, sogleich auch Mitglied der CSU-Kreistagsfraktion, konnte seine folgenden Generationen nicht für „seine“ Partei begeistern. Seine Enkel Karoline und Frederik haben sich für die Stadtratswahl in Bad Rodach den Freien Wählern angeschlossen. Sie kandidieren auf den Plätzen 10 und 14.
Bleiben wir im Rodachtal. Dass die CSU in Seßlach vor sieben Jahren das Amt des Ersten Bürgermeisters (wieder) an einen aus den Reihen der FW abgeben musste (1984 bis 2014: Hendrik Dressel, FW; 2014 bis 2018 Martin Mittag, CSU), wurmt die Union noch immer. So wagt sie jetzt den Versuch, mit ihrem Kandidaten Pascal Kellner (Gemünda) Amtsinhaber Maxilian Neeb (FW) von der Spitze der Stadt zu verdrängen. Das Wahlergebnis bleibt abzuwarten. Was Beobachtern aufgefallen ist: Kellner soll in der Heimatstadt des CSU-Kreisvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Martin Mittag das Bürgermeisteramt für die Union zurückerobern. Wie kompetent erscheint er aber für die CSU selbst, die ihn auf der Kandidatenliste für den Kreistag erst auf Rang 39 (von 60) berücksichtigt?
Interessant auch, welchen Zugang die CSU Seßlach in den letzten Monaten verzeichnen konnte: Wolfgang Brasch aus Dietersdorf. Im Februar 2019 war er Bürgermeisterkandidat der SPD, der Erfolg blieb jedoch aus. Dann war Brasch, der 2014 erstmals das Parteibuch der SPD bekam, Vorsitzender der kleinen „roten“ Fraktion. Die ist nun nach seinem Ausscheiden zerbrochen, und das Parteibuch gab der 60-Jährige unterdessen auch wieder zurück. Bei der Union glaubt Brasch jetzt als Parteiloser wieder Freude an der Kommunalpolitik zu finden und kandidiert auf Platz 7 für den Stadtrat. Zu seinem bemerkenswerten Wechsel und zu seinen Zukunftsplänen befragt, gibt sich Brasch weitestgehend zugeknöpft. Auch in der Politik komme es vor, dass sich Partner auseinanderleben. Punkt.
m/w/d
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